Zehn Wochen Immersion in der Deutschschweiz
Zehn Wochen bei einer Gastfamilie in der Deutschschweiz verbringen – diese Herausforderung haben mehrere Waadtländer Schüler:innen angenommen, darunter auch Oriane Rey-Bellet, die bereit war, ihre Erfahrungen zu teilen. Das Ziel? Ihr Deutsch zu verbessern und gleichzeitig eine neue Kultur zu entdecken.
Seit Kurzem bietet der Kanton Waadt seinen Gymnasiast:innen die Möglichkeit, einen Aufenthalt in einer anderen Sprachregion zu machen. Solche Projekte veranschaulichen konkret die Anforderungen im Rahmen der Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität (WEGM), wonach jede:r Schüler:in die Möglichkeit eines Austauschs oder einer Mobilität in der Schweiz oder im Ausland haben soll. Über die Sprachkompetenzen hinaus fördern diese Aufenthalte auch soziale und kulturelle Fähigkeiten – wie das Beispiel von Oriane zeigt.
Einen neuen Alltag entdecken
Für die junge Waadtländerin war die grösste Veränderung das Leben in einer Gastfamilie. Sie erzählt, wie herausfordernd es sein kann, sich an neue Gewohnheiten, andere Regeln und sogar an Mahlzeiten zu gewöhnen, die früher serviert werden als in der Romandie – und manchmal ganz anders sind als das, was sie von zu Hause kannte. Besonders erinnert sie sich an ihre Überraschung beim berühmten Hörnli mit Gehacktem: Teigwaren, Hackfleisch, braune Sauce, Parmesan und Apfelmus. Ein Schweizer Klassiker, der die Romands immer wieder erstaunt.
«Man entdeckt eine andere Lebensweise, die manchmal sehr unterschiedlich von der eigenen ist. Aber nach und nach lernt man, seinen Platz zu finden, andere Bräuche zu respektieren und enge Beziehungen zur Gastfamilie aufzubauen», betont sie. Sie hebt hervor, wie viel sie durch diese Immersion gelernt hat: mehr Selbstständigkeit, mehr Selbstvertrauen und die Entdeckung einer anderen, wenn auch nahen Kultur.
Herausforderungen meistern
Natürlich war nicht alles einfach. Oriane hatte manchmal Heimweh oder Mühe, manchen Gesprächen im Dialekt zu folgen. Trotzdem bleibt ihr die Erfahrung in sehr positiver Erinnerung.
Für Franziska Rohrbach, Austauschverantwortliche am Gymnasium Kirchenfeld, ist es genau diese Begegnung mit dem Unbekannten, die das Projekt so bereichernd macht:
«Die überzeugenden Argumente sind die persönliche, sprachliche und kulturelle Entwicklung. Solche Immersionen sind nicht nur für die Schüler:innen wertvoll, sondern auch für die Gastfamilien.»
Nach ihrer Rückkehr hatte Oriane nicht nur ihr Deutsch verbessert, sondern auch mehr Offenheit und neue Freundschaften gewonnen.
Sie empfiehlt die Erfahrung allen, die noch zögern:
«Auch wenn es schwierige Momente gibt – man geht gestärkt daraus hervor, mit neuen Worten, neuen Gewohnheiten und vor allem mit mehr Selbstvertrauen.»
Und die positiven Rückmeldungen wiederholen sich, bestätigt Franziska Rohrbach: «Viele Jugendliche schreiben, dass es eine wichtige, bereichernde, manchmal schwierige, aber immer wertvolle Erfahrung war.»
Finanzielle Unterstützung für Familien
Diese Austauscherfahrung wurde durch das Förderangebot „Nationaler Einzelaustausch“ finanziell unterstützt. Das Gymnasium von Oriane stellte ein Projektgesuch, sodass ihre Familie und die Familien anderer beteiligter Schüler:innen einen Beitrag zur Deckung der Kosten für Aufenthalt und Reise erhielten.
Möchten Sie Ihren Schüler:innen dieselbe Möglichkeit bieten? Stellen Sie ebenfalls einen Antrag über den Nationalen Einzelaustausch.