Wo Bildung, Wirtschaft und Forschung gemeinsam Fortschritte erzielen

Bildung neu denken, Grenzen überwinden, Innovation gestalten: Erasmus+ Allianzen für Innovation bringen Institutionen aus allen Bildungsbereichen, Unternehmen und weitere Akteur:innen aus Wirtschaft und Gesellschaft zusammen, um die Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam anzugehen.

Erasmus+ Allianzen für Innovation: transdisziplinär die Welt von morgen gestalten (Quelle: Maria Rosa Mondardini)

Komplexe, globale Probleme erfordern ganzheitliche Lösungsansätze. Dies kann am besten durch die Einbindung verschiedener Akteur:innen und Interessengruppen erreicht werden. Die Allianzen für Innovation zielen deshalb darauf ab, diverse Organisationen einzubinden um Bildungsformate zu entwickeln, in denen die Beteiligten inter- und transdisziplinäre Ansätze lernen, um bestmögliche Lösungen für diese Aufgaben zu erarbeiten. Mögliche Partnerinstitutionen umfassen unterschiedliche Arten von Bildungs- und Berufsbildungseinrichtungen wie Schulen, Hochschulen, Berufsbildungszentren, aber auch Behörden, Verbände und Unternehmen, die im Bildungsbereich tätig sind. Diese Partner:innen sollten aus verschiedenen Ländern stammen, um eine echte transnationale Zusammenarbeit zu ermöglichen.

Allianzen für Innovation Erasmus+ fördern die strategische Zusammenarbeit zwischen Akteur:innen der Hochschul- und Berufsbildung gemeinsam mit Vertreter:innen aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie umfassen verschiedene Schwerpunkte («Topics»), zu denen Interessierte Projekte einreichen können. Die drei- bis vierjährigen Projekte umfassen mindestens acht bis zwölf Partnerinstitutionen aus vier bis acht unterschiedlichen Erasmus+ Ländern und werden mit einer Mio. EUR bis zu vier Mio. EUR gefördert.

Im Gegensatz zu den kleineren Erasmus+ Kooperationspartnerschaften zählen Allianzen für Innovation zu den mittelgrossen und zentral verwalteten Kooperationsformaten. Das bedeutet, dass die ausbezahlten Projektzuschüsse und die Anforderungen an die Projektresultate entsprechend höher sind. Der Antrag wird nicht bei der Erasmus+ Nationalagentur der koordinierenden Hochschule (z.B. Movetia) eingereicht, sondern direkt bei der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) über das «Funding and Tenders Operations Portal». 

Bis 2024 konnten sich Schweizer Institutionen als vollwertige Partnerinnen an Allianzen für Innovation und Kooperationspartnerschaften beteiligen. Dies wäre erst mit einer Schweizer Assoziierung an Erasmus+ wieder möglich. Insbesondere könnten Schweizer Institutionen dann auch Projekte als sogenannte Koordinatorinnen initiieren, Mittel einwerben und leiten. Mit einer Assoziierung würden für Schweizer Institutionen entsprechend auch sämtliche seit 2024 eingeführten Einschränkungen für  nicht mit dem Programm assoziierte Drittländer wegfallen, z.B. dass keine Erasmus+ Mittel für Aktivitäten ausserhalb der  mit dem Programm assoziierten Länder verwendet werden dürfen.

Die aktuellen Entwicklungen zu Erasmus+ in der Schweiz finden sie hier.

Ein Beispiel für eine solche Allianz für Innovation mit Schweizer Beteiligung ist das NEST-Projekt. NEST hat sich zum Ziel gesetzt, das globale Problem stetig steigender Gesundheitskosten anzugehen – eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Zu diesem Zweck wurde ein Konsortium aus vier Hochschulen, drei KMU, einem Forschungszentrum, einem Berufsbildungsanbieter und einer Gesundheits- und Pflegeorganisation gebildet. Dieses hat gemeinsam verschiedene Pilotprojekte initiiert, sogenannte Innovationsökosysteme. An einem dieser Pilotprojekte bzw. Ökosysteme zum Thema Wohnungsschimmel war die Universität Zürich massgeblich beteiligt. Das Citizen Science Center Zürich analysierte dabei unter der Leitung von Forschungsleiterin Maria Rosa Mondardini, wie der aufstrebende Ansatz der Citizen Science genutzt werden kann, um das Schimmelproblem in Wohnungen anzugehen. Dieser Ansatz soll nicht nur in der Gesundheitsforschung, sondern auch in der entsprechenden Hochschullehre integriert werden, um einen Multiplikationseffekt zu generieren und dadurch künftig einen Beitrag zur Reduktion der Gesundheitskosten zu leisten.

Citizen Science bezeichnet die aktive Beteiligung von Bürger:innen an wissenschaftlichen Projekten. Sie tragen beispielsweise zur Datensammlung, Datenauswertung oder Entwicklung von Forschungsfragen bei und arbeiten dabei mit Forschenden an Hochschulen zusammen, um neues Wissen zu schaffen.

Der Einbezug von Bürger:innen in die Forschung und Praxis wird an Hochschulen bisher nur punktuell gelehrt.

Teilnehmende des NEST-Projekts treffen sich zum Wissensaustausch (Quelle: Maria Rosa Mondardini)

Nachdem Mondardini und Co. nach einer komparativen Analyse zum Schluss kamen, dass der Einbezug der Bevölkerung zur Behebung des Problems erfolgsversprechend ist, brachte man die entsprechende Expertise ins Projekt ein. «Unsere wichtigste Empfehlung war, sicherzustellen, dass die Bewohner:innen während des gesamten Prozesses eine zentrale Rolle spielen. Durch die Entnahme von Schimmelproben aus ihren Wohnungen liefern sie nicht nur wertvolle wissenschaftliche Daten, sondern gewährleisten auch, dass die Forschung die realen Wohnbedingungen und die Anliegen der Gemeinschaft widerspiegelt», sagt Mondardini.

Für das Projekt sei das Zusammenspiel der unterschiedlichen Akteur:innen ganz entscheidend, was exemplarisch für Allianzen für Innovation ist. Während die Bewohner:innen Daten aus ihren eigenen Stuben liefern, stellen gemeinnützige Organisation das Vertrauen und die Berücksichtigung lokaler Bedürfnisse sicher und Forschende bringen wiederum das notwendige Fachwissen ein. Dieser partizipative Ansatz schlägt laut Mondardini eine Brücke zwischen der Gemeinschaft, wissenschaftlichen Erkenntnissen und letztendlich auch den Entscheidungsträger:innen in der Politik, da die Sachverhalte und Probleme ganzheitlich aufbereitet werden.

Maria Rosa Mondardini, Verantwortliche NEST-Projekt Universität Zürich
Die Einbindung verschiedener Interessengruppen war unerlässlich, da keine einzelne Gruppe das Schimmelproblem allein bewältigen konnte.
Maria Rosa Mondardini

Titel: NEST – Co-Creating a New Form of Governance in Societal Transition for Healthy Living
Periode: 2023–2026
Institutionen: Hanze University of Applied Sciences Groningen – Niederlande (Koordination) // Artevelde University of Applied Sciences – Belgien // Metropolia University of Applied Sciences – Finnland // Polytechnic Institute of Bragança (IPB) – Portugal // Universität Zürich (Citizen Science Center) – Schweiz // Alfa College – Niederlande // Stichting De Hoven – Niederlande // THRIVE Institute BV – Niederlande // SPIN Sport Innovation GmbH & Co. KG – Deutschland // Demola Global Oy – Finnland
 

Behandelte Erasmus+ Prioritäten:

  • Inklusion und Vielfalt
  • Digitale Transformation
  • Umwelt und Bekämpfung des Klimawandels
  • Teilhabe am demokratischen Leben, gemeinsame Werte und bürgerschaftliches Engagement
  • Aufbau von vier internationalen «Communities of Practice» (CoPs) zu:
    • Entwicklung sozialer Unternehmen
    • Citizen Science
    • Reflexives Monitoring
    • Wissensgenerierung
  • Pilotierung lokaler Innovationsökosysteme für gesundes Leben unter Einbezug von Bürger:innen, Bildungsinstitutionen, Unternehmen und öffentlichen Akteur:innen.
  • Entwicklung von Bildungs- und Trainingsangeboten, darunter Lernmodule, digitale Lernressourcen und Werkzeuge zur Förderung von Innovations- und Transformationskompetenzen.
  • Citizen-Science-Aktivitäten, bei denen Bürger:innen aktiv in die Wissensgenerierung und Lösungsentwicklung eingebunden werden.
  • Wissensaustausch und Capacity Building durch internationale Veranstaltungen, Webinare, Workshops und Lerngemeinschaften.
  • Entwicklung eines Governance- und Implementierungsmodells für nachhaltige soziale Innovationsökosysteme im Bereich Healthy Living.
  • Erstellung von offenen Bildungsressourcen und Praxisinstrumenten, z. B. Webinare, Handbücher, Methoden und Knowledge-Radar-Instrumenten für Akteure im Gesundheits- und Bildungsbereich.

Zur Projektwebseite (EN)

Vom Projekt zur nachhaltigen Weiterentwicklung Schweizer Bildungsinstitutionen

Ziel der Allianzen für Innovation ist wie bereits angetönt nicht nur die Durchführung eines Forschungsteils. Zentral ist die Implementierung von Neuerungen im Lehrplan sowie die Einführung neuer Lehrmethoden an den beteiligten Bildungsinstitutionen anhand der Erkenntnisse aus dem Projekt. In einem grösseren Kontext soll das Format durch sektorübergreifende Zusammenarbeit nachhaltige Veränderungen in Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft bewirken und damit Europas Innovations- und Transformationsfähigkeit langfristig stärken.

Ein Lehrplan sollte den Schwerpunkt auf die Lösung realer Probleme, die Zusammenarbeit mit Interessengruppen ausserhalb des Bildungsraums und die Fähigkeit legen, Forschung mit gesellschaftlichen Bedürfnissen zu verknüpfen. Was die Lehrmethoden angeht, zeigt das Projekt die Vorteile von erfahrungsorientiertem und auf Herausforderungen basierendem Lernen auf, das auf realen Problemen aufbaut und das Potenzial hat, zu Projekten mit greifbarer gesellschaftlicher Wirkung beizutragen.
Maria Rosa Mondardini, Forschungsleiterin Citizen Science Center Zürich

Auf institutioneller Ebene bietet eine Allianz für Innovation also nicht nur Mittel für ein zeitlich begrenztes Projekt, sondern ermöglicht die Weiterentwicklung des Bildungsangebots, den Ausbau internationaler Netzwerke, die Stärkung des Praxisbezugs und die Chance, sich als innovative Akteurin im europäischen Bildungsraum zu positionieren.

Purschidas da promoziun adattadas

  • Internationale Kooperationen für Zusammenarbeit und Innovation

    Internationale Kooperationen für die strategische Zusammenarbeit von Bildungsinstitutionen.

Adattà al tema

  • Erhöhte Bildungsqualität durch internationale Kooperation

    Erhöhte Bildungsqualität durch internationale Kooperation

    Sie möchten sich als Bildungsinstitution weiterentwickeln und die Qualität Ihrer Lehrformate steigern? Erasmus+ Kooperationspartnerschaften machen dies möglich. Gemeinsam mit internationalen Institutionen aus der Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft werden neue Ansätze erprobt, bewährte Praktiken geteilt und die internationale Vernetzung vorangetrieben.

  • Steigende Mobilitäten: Die Nachfrage bestätigt die Bedeutung des Austauschs innerhalb der Schweiz und mit Europa

    Steigende Mobilitäten: Die Nachfrage bestätigt die Bedeutung des Austauschs innerhalb der Schweiz und mit Europa

    Die von Movetia geförderten Mobilitäten verzeichneten im Jahr 2025 einen Anstieg um 8% und überschritten erstmals die Marke von 40’000 Teilnehmenden. Der Jahresbericht und die Statistik 2025 zeigen den Aufschwung des Austauschs auf nationaler wie internationaler Ebene. Die Zunahme an Mobilitäten und Kooperationen im Bildungsbereich könnte sich durch die Teilnahme der Schweiz am europäischen Programm Erasmus+ noch weiter verstärken; darüber wird das Parlament bis Ende dieses Jahres entscheiden.