Mehr junge Schweizer/innen entscheiden sich für Austausch und Mobilität in Europa – besonders in der Berufsbildung

Ein starker Zuwachs bei den Lernenden und Lehrabsolvent/innen, die ein Auslandpraktikum absolvieren (um 18 Prozent), ein steter Anstieg der Mobilität unter den Studierenden (um acht Prozent) sowie ein erfreulicher Aufwärtstrend in den anderen Bildungsbereichen: Das sind die Ergebnisse des 2020 lancierten Projektaufrufs von Movetia, der Schweizer Agentur für Austausch und Mobilität, im Rahmen des Schweizer Programms zu «Erasmus+». Zum ersten Mal wurden mehr gute Projekte eingereicht, als Mittel zur Verfügung stehen. Das Schweizer Bildungssystem erwartet eine deutliche Unterstützung des Parlaments im Rahmen der Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation (BFI) 2021–2024.

Movetia, die Schweizer Agentur für Austausch und Mobilität in der Bildung, hat die Ergebnisse des Projektaufrufs 2020 für Lernmobilitäten im Rahmen des «Schweizer Programms zu Erasmus+» veröffentlicht. Bei diesem Programm handelt es sich um das grösste internationale Mobilitäts- und Austauschprogramm der Schweiz. Es wurde 2014 als Übergangslösung ins Leben gerufen, um den Ausschluss der Schweiz aus den europäischen «Erasmus+»-Bildungsprogrammen zu kompensieren.

Der 2020 lancierte Projektaufruf verzeichnete einen Anstieg der bewilligten Projekte um durchschnittlich 15 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Dies entspricht mehr als 14 000 Mobilitäten sowie Zuschüssen in Höhe von insgesamt 34,5 Millionen CHF, die Projektträger/innen aus allen Bildungsbereichen gewährt wurden.

Die Anzahl guter Projekte überstieg die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Das Wachstumspotenzial ist weiterhin erheblich, insbesondere weil die Möglichkeiten der Schweiz als nicht-assoziiertes Partnerland des «Erasmus+»-Programms eingeschränkt sind. Zum Vergleich: Österreich fördert mehr als die doppelte Anzahl Mobilitäten.

Um steigende Nachfrage aufrecht zu erhalten und die ehrgeizige Vision des Bundes und der Kantone, wonach im Laufe ihrer Ausbildung alle jungen Menschen an einem länger dauernden Austausch- oder Mobilitätsprojekt teilnehmen sollen, erreichen zu können, muss das Parlament im Rahmen der Beratung der BFI-Botschaft 2021–2024 angemessene finanzielle Mittel bewilligen.

Die Zahlen im Detail

Neben den beliebten Studiensemestern und Praktika an einer Gasteinrichtung der höheren Bildung (Universität, spezialisierte Bildungseinrichtung) (Zuwachs um acht Prozent), werden in anderen Bildungsbereiche (Schulbildung, Erwachsenenbildung und Jugendarbeit) Weiterbildungsprojekte zur Stärkung der fachlichen, pädagogischen und didaktischen Kompetenzen gefördert. Diese Projekte dienen der systematischen Verbesserung der Fachkompetenzen von Lehrpersonen, Erwachsenenbildner/innen und Jugendarbeiter/innen und bieten einen Mehrwert sowohl für die beteiligten Personen als auch für deren Bildungseinrichtungen.

Im Bereich der Berufsausbildung konnte ein beachtlicher Anstieg an Berufspraktika (um 18 Prozent) verzeichnet werden. Fast 2000 Praktikumsplätze oder Aufenthalte im Rahmen von knapp 50 Mobilitätsprojekten innerhalb Europas wurden von Berufsbildungszentren und Berufsverbänden wie SWISSMEM, Polybau oder Florist.ch und Lehrbetrieben wie SYNGENTA eingegeben. Positiv ist die Teilnahme von einer grossen Bandbreite an Berufen aus unterschiedlichen Sektoren wie Handel und Verwaltung, Industrie, IT und Kommunikation, Agrochemie, Design, Hotellerie und Gastronomie, Textilindustrie, Maler- und Verputzarbeiten, Logistik, Automobilindustrie und Mechatronik und Floristik. Auch die Digitalisierung spielt eine zunehmend wichtige Rolle, beispielsweise bei virtuellen Mobilitätsformen und beim Monitoring über digitale Plattformen.

Flexibilität, Kooperation und Innovation gehören zu den Schlüsselkompetenzen der Zukunft. Movetia ist der festen Überzeugung, dass Austausch und Mobilität eine wesentliche Rolle bei der Aneignung dieser Kompetenzen spielen. Die Förderung und die Entwicklung von Mobilitäts- und Austauschprogrammen, die den Bedürfnissen der verschiedenen Bildungsstufen Rechnung tragen, sind entscheidend. Diese Programme müssen zudem gesellschaftliche Anforderungen wie gegenseitiges Verständnis, Austausch und Vernetzung erfüllen, die nach dem Ende der aktuellen Gesundheitskrise von zentraler Bedeutung sein werden.

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