Ein:e internationale:r Expert:in zu Gast, um Praktiken in der Erwachsenenbildung zu bereichern
Sie planen eine Veranstaltung, eine Weiterbildung oder eine Konferenz im Bereich der Erwachsenenbildung und möchten einen Blick von aussen einbringen? Dann ist das Format «Invited Expert» genau das Richtige für Sie.
Durch die Förderbeiträge für die aus dem Ausland kommende:n Expert:in erleichtern Sie ihm:ihr den Aufenthalt und profitieren so von einer anderen kulturellen Herangehensweise an das gewählte Thema. Entdecken Sie die Erfahrungen des Verbands der Schweizerischen Volkshochschulen, die eine Expertin des österreichischen Bundesinstituts für Erwachsenenbildung im Rahmen eines Tages zum Thema künstliche Intelligenz eingeladen hat. Ein Blick auf dieses Format aus verschiedenen Perspektiven:
Movetia: Was ist Ihrer Meinung nach der Vorteil des Formats Invited Expert?
Djamila Kartnaller (Verband der Schweizerischen Volkshochschulen): Durch die Einladung ausländischer Fachpersonen profitierten wir von einem Blick von aussen und einer anderen Bildungskultur. In der Schweiz ist die Erwachsenenbildung oft auf die Beschäftigungsfähigkeit ausgerichtet, während in Österreich die persönliche Entwicklung mehr Raum einnimmt. Dies hat eine neue Dynamik geschaffen, die durch die Neugierde der Teilnehmenden, ihre Offenheit und ihre Bereitschaft, neue Wege zu gehen, gefördert wurde. Es ist auch eine Gelegenheit, unser internationales Netzwerk zu stärken.
Gabriele Frankl (Österreichisches Bundesinstitut für Erwachsenenbildung)
Wir leben zwar im selben Sprachraum, aber die andragogischen Traditionen unterscheiden sich erheblich. In der Schweiz basiert die Erwachsenenbildung häufig auf kurzen, modularen Formaten. In Österreich werden eher längere Ausbildungsformate bevorzugt. Genau diese Vielfalt macht den Austausch so bereichernd: Er regt dazu an, die eigenen Routinen zu hinterfragen und die Erwachsenenbildung aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Wie haben Sie den Weiterbildungstag in der Schweiz erlebt?
DK: Was mich besonders beeindruckt hat, war das Engagement der Teilnehmenden. In der Schweiz greifen wir oft auf dieselben Referentinnen und Referenten zurück. Hier hat die Vielfalt der Profile eine neue Dynamik geschaffen. Die Teilnehmenden waren neugierig auf andere Ansätze und stellten mehr Fragen zur Vorgehensweise in Österreich.
GF: Ich war beeindruckt von der konstruktiven Atmosphäre. Die Teilnehmenden suchten sofort nach Möglichkeiten, die Inhalte in ihrem beruflichen Alltag anzuwenden. Eine Anekdote ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Vor meinem Vortrag wurde ich gebeten, langsam zu sprechen... eine echte Herausforderung für mich! Aber auch das gehört zum interkulturellen Austausch dazu: sich anpassen, zuhören, lernen, sich zu verstehen.
«Offenheit gegenüber anderen ist immer eine Bereicherung – für sich selbst, für Institutionen und für die Erwachsenenbildung.»
Welche Auswirkungen sehen Sie für Ihre Institutionen?
DK: Der menschliche und berufliche Gewinn ist unbestreitbar. Der Austausch stärkt das Vertrauen, weckt die Neugier und ebnet den Weg für neue Kooperationen. Für uns war die Erfahrung so überzeugend, dass wir anschliessend weitere Fachpersonen eingeladen haben, insbesondere aus Frankreich und Italien.
GF: Diese Begegnungen gehen über den reinen Ausbildungsrahmen hinaus. Der grenzüberschreitende Austausch ist sehr wertvoll. Er schafft dauerhafte Verbindungen und regt zum Nachdenken über gemeinsame Themen wie Nachhaltigkeit oder Ethik an. Man geht bereichert, aber auch verändert nach Hause.
Welche Ratschläge würden Sie zukünftigen Invited Experts geben?
DK: Eine gründliche Vorbereitung und ein frühzeitiger Austausch mit den Organisatorinnen und Organisatoren sind unerlässlich. Es macht einen grossen Unterschied, die Bedürfnisse des Publikums zu verstehen, die Kernbotschaften zu definieren und vor der Veranstaltung für eine Vorbereitung zu sorgen – beispielsweise per Videokonferenz. Und vor allem: Beschränken Sie den Zugang zur geplanten Weiterbildung nicht nur auf das Publikum der veranstaltenden Institution, sondern öffnen Sie sie auch für interessierte Personen aus anderen Institutionen.
GF: Ich würde empfehlen, mit grosser Offenheit und einer echten Bereitschaft zum Dialog anzureisen. Bleiben Sie flexibel, hinterfragen Sie Ihre eigenen Gewohnheiten... und sprechen Sie langsam!
Zwei Stimmen, eine Feststellung: Offenheit macht den Unterschied. Die Erfahrungen des Verbands der Schweizerischen Volkshochschulen und des österreichischen Bundesinstituts für Erwachsenenbildung veranschaulichen die Philosophie der Aktivität der Mobilität Invited Expert: die Erwachsenenbildung in der Schweiz durch Vielfalt, Dialog und den konstruktiven Austausch von Praktiken zu beleben.
Das Förderangebot Invited Expert richtet sich an alle in der Schweiz ansässigen Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die ausländische Fachpersonen zur Weiterbildung ihres Personals einladen möchten. Die Unterstützung durch Movetia besteht in einer Kofinanzierung in Form von Zuschüssen zu den Reise-, Aufenthalts- und Organisationskosten im Zusammenhang mit dem Einsatz der eingeladenen Person. Die Reisekosten werden mit einer Pauschale von 400 CHF bis 1'000 CHF pro Person, je nach Herkunftsland gedeckt. Die Aufenthaltskosten in der Schweiz werden mit 192 CHF pro Tag und Person übernommen. Für die Organisation wird ebenfalls ein Pauschalbeitrag von 210 CHF pro Person gewährt.