Internationale Jugendarbeit: Globale Perspektiven auf Zwangsarbeit

Methoden der globalen Bildungsarbeit sowie das Thema Zwangsarbeit und moderne Ausbeutungsformen standen während einer Woche im Fokus der Diskussionen zwischen Jugendarbeitenden aus diversen Ländern. SCI (Service Civil International) Schweiz hat das Seminar Global Education Lab #2: Forced Labour im Pfadiheim in Köniz organisiert.

Ein unerwartet früher Schneefall im November begleitete meinen Weg nach Köniz, wo im Pfadiheim das Global Education Lab #2: Forced Labour stattfand. Das Training für Jugendarbeitende wurde vom SCI Schweiz organisiert, einem langjährigen Projektträger von Movetia. Die Teilnehmenden verbrachten eine intensive Woche damit, Ansätze für die Jugendbildung zu Zwangsarbeit zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Schon beim Ankommen machte Facilitator Thomas deutlich, welche Resonanz das Projekt ausgelöst hatte: «Wir hatten rund 1500 Bewerbungen. Das zeigt, wie sehr dieses Thema Menschen weltweit beschäftigt».

Rahmen und Zielsetzung des Seminars

Das Seminar war die zweite Ausgabe des «Global Education Lab», eines Formats, das Fachpersonen aus verschiedenen Ländern zusammenführt, um Methoden der globalen Bildungsarbeit weiterzuentwickeln. Die Ausgabe 2025 widmete sich dem Thema Zwangsarbeit und modernen Ausbeutungsformen – einer Problematik, die laut dem SCI Schweiz weltweit 27,6 Millionen Menschen betrifft und eng mit globalen Lieferketten verbunden ist, an denen auch europäische und Schweizer Unternehmen beteiligt sind. Damit richtete sich das Training nicht nur an Personen, die zu globalen Ungleichheiten arbeiten, sondern auch an diejenigen, die Jugendlichen in Europa aufzeigen möchten, wie sehr ihr Alltag mit internationalen Produktions- und Konsumstrukturen verknüpft ist.

Diversität als Grundlage für glaubwürdiges Lernen

Die internationale Zusammensetzung der Gruppe prägte das Seminar von Anfang an. Menschen unter anderem aus Pakistan, Hongkong (China), Zimbabwe, Brasilien, Deutschland und der Schweiz brachten ihre Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und beruflichen Kontexten mit. Eine ägyptische Teilnehmerin sagte: «Das Tolle ist, so eine diverse Gruppe zu sein. Ich hätte nicht erwartet, hier Menschen aus aller Welt anzutreffen».

Non-formale Methoden eröffneten Raum für Emotion und Analyse

Ein Element des Seminars war die Arbeit mit dem «Baum der Probleme». Die Methode begann bewusst persönlich: Die Teilnehmenden hielten fest, wie sie sich angesichts der globalen Lage fühlten – etwa überwältigt, machtlos oder frustriert. Erst dann wandten sie sich den strukturellen Ursachen zu. Unter den Wurzeln fanden sich Begriffe wie «Patriarchat», «globale wirtschaftliche Abhängigkeiten» und «historische Ungleichheiten».

Diese Methode verband persönliche Betroffenheit mit strukturellem Denken und schuf einen Raum, in dem komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar wurden. 

Es ist unsere Aufgabe, jungen Menschen Werkzeuge an die Hand zu geben, damit sie globale Ungerechtigkeiten erkennen und reflektieren können
Eine Teilnehmerin

Expertise aus Brasilien vertiefte das Verständnis globaler Lieferketten

Ein besonders eindrücklicher Moment war mein Gespräch mit einem Journalisten von Repórter Brasil, der im Seminar ausführlich Input gab. Er erklärte, dass die Organisation seit 2001 systematisch Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen untersucht und mit ihrem Bildungsprogramm «Slavery, no way!» landesweit Präventionsarbeit leistet.

Er schilderte Recherchen seines Teams zu Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten, unter anderem zu Kaffeeplantagen, die grosse Marken wie Nestlé oder Starbucks beliefern, sowie zu sozialen und ökologischen Herausforderungen im Netzwerk von McDonald’s. 

Das Seminar zeigte weiter auf, wie eng diese Formen der Ausbeutung mit wirtschaftlichen Strukturen und Konsumentscheidungen im globalen Norden verknüpft sind. Unternehmen aus Europa inklusive der Schweiz profitieren oft von günstigen Produktionsbedingungen, während die damit verbundenen Risiken und Menschenrechtsverletzungen in den Herkunftsländern unsichtbar bleiben.

Gleichzeitig wurde im Workshop aufgezeigt, dass sich diese Verantwortung zunehmend auch in politischen Debatten widerspiegelt: In verschiedenen europäischen Ländern wurden in den vergangenen Jahren Initiativen und Gesetzesprozesse angestossen, die Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen sollen – von zivilgesellschaftlichen Kampagnen wie der Konzernverantwortungsinitiative in der Schweiz bis hin zu europäischen Bemühungen um verbindliche Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten, wie sie etwa in der EU-Richtlinie zur unternehmerischen Verantwortung festgelegt sind.

Der Austausch zeigte somit auf, dass Zwangsarbeit nicht nur im globalen Süden, sondern entlang vieler internationaler Lieferketten auftritt und damit ein Thema ist, das Jugendliche aus dem globalen Norden und dem globalen Süden direkt betrifft, sei es als Konsumierende oder als zukünftige Fachkräfte.

Nachhaltige Wirkung und neue Perspektiven für Globales Lernen

Die Facilitatoren beschrieben das Ziel des Trainings klar: «Im Verlauf der Woche sollen Ideen und Materialien entstehen, die weit über das Seminar hinaus wirken.» Dieser Anspruch ist auch im Konzept des Global Education Lab verankert. In den kommenden Tagen arbeiten die Teilnehmenden deshalb an mehreren Bildungsformaten: einem kurzen edukativen Video, Bausteinen für einer Social-Media-Kampagne und einem kleinen Toolkit mit non-formalen Methoden. Die Vielfalt der geplanten Materialien soll es ermöglichen, das Thema Zwangsarbeit mit Jugendlichen aus dem Globalen Norden und dem Globalen Süden in unterschiedlichen Kontexten aufzugreifen. 

Fazit: Globales Lernen wurde hier gelebt

Als ich das Pfadiheim wieder verliess und durch den Schnee zurückfuhr, blieb der Eindruck einer intensiven und inhaltlich klar strukturierten Woche. Die Gespräche, Methoden und vielfältigen Perspektiven zeigten, wie wirkungsvoll globales Lernen sein kann, wenn Menschen ihre Erfahrungen einbringen und gemeinsam non-formale Ansätze entwickeln, die über das Seminar hinaus relevant bleiben.

Purschidas da promoziun adattadas

  • Austausch für Jugendarbeitende

    Schweizer Organisationen der ausserschulischen Jugendarbeit organisieren Austauschprojekte im In- und Ausland für ihre Jugendarbeitenden. 

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