Europäische Weiterbildung der Jugendarbeit mit vielen Aha-Momenten

Vor Kurzem hat Jean‑François an der europäischen Weiterbildung «The Power of Non-Formal Education» teilgenommen – eine Erfahrung, die ihn persönlich geprägt und seine Arbeit nachhaltig beeinflusst hat. Im Interview erzählt er über die Weiterbildung und die neuen Impulse für die offene Jugendarbeit.

Jean‑François, du arbeitest im Jugendtreff ROXX in Murten. Was ist dort dein Aufgabenbereich?

Ich bin hauptsächlich für den Kinderbereich zuständig, also für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Mittwochs ist das Haus für sie geöffnet – von 13 Uhr bis halb sechs. Wir machen geleitete Aktivitäten, essen zusammen «z’Vieri» und sind viel draussen unterwegs. Uns ist wichtig, den Kindern Raum zu geben, sich auszuprobieren – und sie auch mal von der Strasse zu holen.

Du hast an der europäischen Weiterbildung «The Power of Non-Formal Education» teilgenommen. Wie bist du darauf gestossen?

Über meine ehemalige Arbeitskollegin, die bereits die gleiche Weiterbildung gemacht hatte. Sie hat mir davon erzählt und mir Unterlagen gezeigt. Ich fand es sofort spannend und habe mich dann informiert, was non-formale Bildung genau bedeutet. Beim Lesen wurde mir bewusst, dass ich bisher nicht so gezielt oder bewusst damit gearbeitet habe. Das hat mich überzeugt.

Movetia hat die Weiterbildung mit dem Förderangebot «Europäische Weiterbildungen für Jugendarbeitende» finanziell unterstützt.

Wie hast du dich auf die Weiterbildung vorbereitet?

Ehrlich gesagt: so intensiv wie selten zuvor. Meine Kollegin hat mir viel erzählt, ich habe die Broschüre gelesen und mich mit den Newslettern der Weiterbildung beschäftigt. Darin waren Reflexionsfragen, die mich gut eingestimmt haben. Die Vorbereitung war freiwillig, aber ich war wirklich motiviert. Auch, weil Movetia und mein Arbeitgeber das Ganze unterstützt haben, hatte ich das Gefühl, eine gewisse Verantwortung zu tragen. Ich wollte gut vorbereitet sein – auch aus Respekt gegenüber der Investition, die andere in mich und in die Weiterbildung gemacht haben.

Was hast du während der Weiterbildung besonders mitgenommen?

Ich habe viel über mich selbst gelernt. Warum habe ich manchmal Bedenken? Wovor habe ich Angst? Die non-formalen Methoden fordern einen heraus, aber genau das macht sie so wirkungsvoll. Ich bin bewusst aus meiner Komfortzone raus. Fachlich habe ich auch Neues mitgenommen, nicht unbedingt konkrete Methoden, sondern vor allem Anregungen, wie ich etwas ändern kann, um Kinder und Jugendliche besser einzubinden und mehr Partizipation zu ermöglichen. Und ich habe gemerkt: Wenn Kinder mitgestalten können, sind sie automatisch motivierter.

Und ich habe gemerkt: Wenn Kinder mitgestalten können, sind sie automatisch motivierter.

Konntest du das Gelernte bereits in deiner Arbeit umsetzen?
Ja, aber natürlich nicht alles auf einmal, ich muss Schritt für Schritt vorgehen. Ich habe bei uns die Möglichkeit genutzt, neue Ansätze in meine Arbeit einfliessen zu lassen und habe verschiedene Vorgehensweisen ausprobiert. Mein langfristiges Ziel ist es, die Kinder und Jugendliche von Anfang an stärker zu involvieren. Sie sollen nicht einfach nur «mitmachen», sondern wirklich mitgestalten. Mir ist es wichtig geworden, ihre Bedürfnisse noch bewusster wahrzunehmen. Nicht nur zu vermuten, was sie brauchen, sondern sie direkt zu fragen. Ich spreche heute viel gezielter mit den Kindern und Jugendlichen, höre zu und versuche gemeinsam mit ihnen Antworten zu finden.

Kinder und Jugendliche sollen nicht einfach nur «mitmachen», sondern wirklich mitgestalten.

Gab es auch Herausforderungen während der Weiterbildung?

Ja, eine grosse Herausforderung für mich war die Selbstevaluation. In der formalen Bildung ist man es gewohnt, von aussen bewertet zu werden – durch Noten oder Feedback von Lehrpersonen. Sich aber selbst ehrlich zu reflektieren, ist etwas ganz anderes. Das war nicht immer einfach, aber sehr lehrreich.

Überraschend waren für mich die vielen Aha-Erlebnisse, die durch die Übungen ausgelöst wurden. In gewissen Momenten habe ich gemerkt: Ich dachte, ich sei offen, aber vielleicht bin ich in bestimmten Situationen doch verschlossener oder voreingenommener, als ich mir selbst eingestehen wollte. Sehr wichtig fand ich auch das sogenannte Debriefing nach jeder Aktivität. Man hat nicht einfach nur etwas gemacht, sondern danach wurde gemeinsam reflektiert: Was ist passiert? Wie habe ich mich gefühlt? Was hat das mit mir zu tun? Und was nehme ich daraus mit? Erst durch diese Auseinandersetzung, in der Gruppe oder auch für sich allein, entsteht echtes Lernen. Das war manchmal anstrengend, aber genau das hat die Weiterbildung so wertvoll gemacht.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Trainer:innen und den anderen Teilnehmenden?

Sehr bereichernd. Die Trainer:innen waren unglaublich erfahren, aber gleichzeitig bescheiden und nahbar. Sie haben uns nicht einfach etwas «vermittelt», sondern uns unterstützt, eigene Wege zu finden. Auch im Umgang mit den schwierigen Momenten, zum Beispiel bei der Selbstevaluation, haben sie uns gut begleitet. 

Und wie hast du die Zusammenarbeit mit Movetia erlebt?

Sehr positiv. Ich habe mich gut begleitet gefühlt: Sie waren flexibel, erreichbar und haben sich wirklich Zeit genommen, wenn ich Fragen hatte. Auch organisatorisch lief alles unkompliziert, etwa bei der Reiseplanung oder der Zustellung der Unterlagen. Was ich besonders geschätzt habe: Sie haben mich auch auf andere Veranstaltungen aufmerksam gemacht, die ich sonst gar nicht auf dem Radar gehabt hätte und ich auch froh war, dabei sein zu dürfen.

Würdest du die Weiterbildung weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Ich hatte selten so viele Aha-Momente in so kurzer Zeit. Die Erfahrung hat mich motiviert, in meiner Arbeit weiterzugehen. Längerfristig überlege ich mir auch, Austausche auf nationaler Ebene mit Kindern zu organisieren – zum Beispiel mit dem Tessin.

Gibt es etwas, das du anderen Fachpersonen mitgeben möchtest?

Ja: Wenn man so eine Weiterbildung macht, lohnt es sich, nicht alleine zu gehen. Wenn mehrere aus einem Team mitmachen, kann man die Impulse gemeinsam tragen und umsetzen. Das nächste Mal würde ich auf jeden Fall versuchen, noch jemanden aus meinem Team mitzunehmen.

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  • Europäische Weiterbildungen für Jugendarbeitende

    Weiterbildungen in Europa für Schweizer Jugendarbeitende in der offenen und verbandlichen Jugendarbeit. Förderangebote für Freiwillige und Profis.

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