Bildung im Strafvollzug - Europa als Inspiration

Job Shadowings im Ausland bieten eine einzigartige Gelegenheit für Fachpersonen in der Bildung im Strafvollzug.

In den Justizvollzugsanstalten der Schweiz erhalten inhaftierte Erwachsene Zugang zu schulischer Bildung. Die Fachstelle BiSt (Bildung im Strafvollzug) koordiniert dieses Bildungsangebot in der ganzen Schweiz und setzt sich für die stetige Weiterentwicklung ihres Personals ein. Ein zentrales Element dabei ist der Blick über die Grenzen: der internationale Austausch eröffnet wertvolle neue Perspektiven und bereichert via Job Shadowing (oder Hospitationen) die Arbeit der Ausbildenden.

Wir unterstützen diesen internationalen Austausch mit unserem Förderangebot finanziell:

Austausch über mehrere Jahre

2016 besuchte das Personal der Fachstelle BiSt das erste Mal eine Justizvollzugsanstalt im Ausland: Spanien hat den Weg für die internationale Zusammenarbeit geebnet, indem es Schweizer Ausbilder:innen einen neuen Einblick in die Bildungsmöglichkeiten in ihrem Strafvollzug vermittelte.  Das Centro de Educación Permanente Retamar des Gefängnisses in Almería führt mit inhaftierten Personen verschiedene Bildungsprojekte im Rahmen eines Unterrichts durch. Zur Überraschung der Schweizer Delegation besteht in Spanien keine Arbeitspflicht in Justizvollzugsanstalten, was den Inhaftierten mehr Zeit für andere Projekte schafft.  Beispiel für ein solches Projekt ist eine Videoproduktion zum Thema «Der Wert der Freiheit». 

Inspirierende Erlebnisse in ganz Europa

Das Kennenlernen innovativer andragogischer Ansätze, der direkte Dialog mit Kolleginnen und Kollegen auf internationaler Ebene und die Beobachtung bewährter Praktiken in anderen Ländern führen zu anregenden beruflichen Impulsen. Solche Erfahrungen bereichern die Praxis in der Schweiz und tragen zur Weiterentwicklung der Bildungsmethoden bei. 

Die Erfahrung im Gefängnis von Almeria war sowohl bereichernd als auch inspirierend. Die Teilnehmenden äusserten den Wunsch, diese Art von Austausch zu wiederholen. Zwischen 2018 und 2023 folgten weitere Austauschprogramme mit Griechenland, Schweden, Österreich und Norwegen.

Gegenseitigkeit, um sich weiter zu bereichern

Auch die europäischen Partnerinstitutionen profitieren von diesem Austausch. Bei ihrem Besuch in der Schweiz lernten die spanischen Ausbilder:innen die nationale Plattform kennen, die Ausbildner:innen in den Justizvollzugsanstalten verschiedene Programme zur Online-Lehre anbietet, Ressourcen bereitstellt und ein Austausch ermöglicht. Di Diese intensiven Tage des fachlichen Austauschs, die durch kulturelle Aktivitäten und gemeinsame Mahlzeiten ergänzt werden, knüpfen Beziehungen und bereichern beide Seiten. Der Wert dieser Erfahrungen wird deutlich: die Schweiz braucht den Austausch mit Europa - und Europa profitiert gleichermassen davon. Der Blick über die eigenen Grenzen hinaus stärkt die Qualität der Bildung im Strafvollzug. Davon war der ehemalige BiSt-Leiter Thomas Wüthrich überzeugt. Er zitierte gerne das folgende Sprichwort:

Nur wer Grenzen überschreitet, wird neue Horizonte entdecken!

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