Kooperationen & Jean Monnet
Mit Erasmus+ könnten Hochschulen und Höhere Fachschulen in Kooperationsprojekten gemeinsam an geteilten Herausforderungen arbeiten und den europäischen Bildungsraum mitgestalten. In den folgenden Abschnitten zeigen wir Ihnen auf, was sich im Vergleich zum Schweizer Programm zu Erasmus+ Kooperationen für Sie ändern würde und welche Fördermöglichkeiten Ihnen bei Erasmus+ zur Verfügung stehen würden.
Schweizer Hochschulen und Höhere Fachschulen können sich bereits jetzt an vielen Erasmus+ Aktionen beteiligen. Mit einer Assoziierung der Schweiz an Erasmus+ würden sie jedoch direkt und gleichberechtigt mit allen anderen Erasmus+ Institutionen am Erasmus+ Programm teilnehmen. Unter Erasmus+ stehen Ihnen im Bereich der Kooperationen andere Förder- und Teilnahmemöglichkeiten offen als unter dem Schweizer Programm zu Erasmus+. Die folgenden Abschnitte geben Ihnen einen Einblick und beschreiben die Fördermöglichkeiten, auf welche Sie in Ihrem Erasmus Policy Statement (EPS) für die ECHE-Akkreditierung Bezug nehmen sollen.
Was würde sich für Sie im Vergleich zum Schweizer Programm zu Erasmus+ ändern?
Sollte die Schweiz 2027 an Erasmus+ assoziiert sein, heisst dies:
- Sie haben grundsätzlich Zugang zu allen Erasmus+ Aktionen, an denen Ihr Institutionstyp mitmachen darf, d.h. gleichberechtigt wie Institutionen aus den EU Mitgliedstaaten und anderen Erasmus+ Ländern, z.B. neu auch zu Erasmus+ Lehrkräfteakademien;
- Sie können als Schweizer Hochschule resp. Höhere Fachschule Kooperationsprojekte koordinieren, einreichen und verwalten;
- Als Projektpartnerin (Koordinatorin oder vollwertige Partnerin) erhalten Sie Fördermittel direkt aus dem Erasmus+ Programm;
- Als Projektpartnerin tragen Sie zur nötigen Mindestbeteiligung bei den Konsortien bei. Bei Kooperationspartnerschaften beispielsweise braucht es nur noch zwei weitere Partnerinstitutionen aus Erasmus+ Ländern (anstatt wie bisher drei);
- Sie können weiterhin selbstfinanziert als «assoziierte Partnerin» teilnehmen. Es können jedoch keine Schweizer Fördermittel mehr beantragt werden;
- Für Schweizer Hochschulen entfallen die doppelte Antragsstellung und Berichterstattung, wie das unter dem Schweizer Programm zu Erasmus+ üblich war. Alles läuft über das Erasmus+ Programm;
- Es gelten nur noch die Regeln und politischen Prioritäten des Erasmus+ Programms. Bei den Kooperationspartnerschaften können spezifische Schweizer Förderprioritäten hinzukommen.
Verfassen Sie Ihr Erasmus Policy Statement (EPS) für die ECHE-Akkreditierung unter der Annahme, dass die oben beschriebenen Rahmenbedingungen gelten. Mit einer Schweizer Erasmus+ Assoziierung würde Ihrer Hochschule künftig die gesamte Bandbreite an Erasmus+ Teilnahmemöglichkeiten offenstehen.
In den folgenden Abschnitten finden Sie kurze Beschreibungen der Erasmus+ Fördermöglichkeiten für Hochschulen und höhere Fachschulen. Beschreiben Sie in Ihrem EPS, wie Ihre Hochschule Mitarbeitende informieren und beraten möchten sowie welche Angebote Ihre Hochschule resp. höhere Fachschule nutzen möchte, wo Sie Schwerpunkte setzen und welche Bereiche Sie allenfalls nicht einbeziehen.
Was sind Erasmus+ Kooperationen für die Hochschulbildung?
Erasmus+ fördert nebst Lernmobilität von Einzelpersonen auch unterschiedliche Formen von interinstitutioneller Kooperation. Diese Kooperationen sollen bewirken, dass Hochschulen und Höhere Fachschulen internationale Zusammenarbeit vertiefen, innovative Ansätze entwickeln und den europäischen Hochschulraum aktiv mitgestalten. Sie leisten einen Beitrag zu den Erasmus+ Programmzielen, indem sie Qualität in Lehre fördern, Innovation und Digitalisierung vorantreiben, soziale Inklusion stärken und zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Durch ihren transnationalen Charakter schaffen die Kooperationen einen klaren europäischen Mehrwert und ermöglichen nachhaltige Wirkung über einzelne Projekte hinaus.
Erasmus+ unterscheidet folgende zwei Leitaktionen:
- Leitaktion 2 (KA2) fördert Hochschulkooperationen in Form von Partnerschaften und Projekten;
- Leitaktion 3 (KA3) unterstützt hochschulpolitische Zusammenarbeit und Reformprozesse auf europäischer Ebene.
Ergänzend dazu fördern die Jean Monnet-Aktivitäten im Hochschulbereich Lehr- und Forschungsinitiativen mit Bezug zur Europäischen Union und stärken das Verständnis für europäische Integrationsprozesse im Hochschulbereich.
Welche Aktionen umfasst Erasmus+ bei den Kooperationen?
Erasmus+ umfasst Fördermöglichkeiten für unterschiedliche Bedürfnisse und Ambitionen.
Welche Aktionen würden Ihnen offen stehen?
Erasmus+ vergibt Fördermittel über jährliche Ausschreibungen («Calls for Proposals»), die meist im Oktober/November veröffentlicht werden. Hochschulen und Höhere Fachschulen reichen ihre Projektideen im Frühjahr ein. Projekte starten ab dem Sommer.
Der Erasmus+ Projektaufruf 2027 umfasst voraussichtlich folgende Aktionen:
Leitaktion 2: Kooperationspartnerschaften für die Hochschulbildung (KA220-HED)
Erasmus+ Kooperationspartnerschaften sind transnationale Kooperationen, bei denen mindestens drei Institutionen aus drei verschiedenen Erasmus+ Ländern gemeinsam innovative Projekte starten. Die Projekte laufen zwischen 12 und 36 Monaten und werden mit bis zu 400’000 EUR pro Projekt unterstützt. Dieses Förderformat ist das kleinste im Bereich der Hochschulkooperationen und eignet sich besonders, um neue Ansätze zu erproben, bewährte Praktiken zu teilen und die internationale Vernetzung zu vertiefen. Informationen von Erasmus+ zu den Kooperationspartnerschaften.
Leitaktion 2: Allianzen für Innovation (KA234)
Erasmus+ Allianzen für Innovation ermöglichen es Hochschulen und höheren Fachschulen, gemeinsam mit Unternehmen und weiteren Partnern aus Europa Innovation und Wissensaustausch voranzutreiben. Sie tragen dazu bei, Studiengänge besser auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes auszurichten, neue Kompetenzen für Studierende zu entwickeln und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu vertiefen. Es gibt zwei Förderlinien: Allianzen für Bildung und Unternehmen (Los 1) sowie Allianzen für die branchenspezifische Zusammenarbeit zur Kompetenzförderung (Los 2). Die Projekte umfassen mindestens 8-12 Partnerinstitutionen aus 4-8 unterschiedlichen Erasmus+ Ländern und werden in Los 1 mit bis zu 1 Mio. EUR (2 Jahre) resp. bis zu 1.5 Mio. EUR (3 Jahre) gefördert; in Los 2 mit bis zu 4 Mio. EUR (4 Jahre). Informationen von Erasmus+ zu den Allianzen für Innovation. Im Call 2026 neu dazu kommen die STEM Skills Foundries (Los 3) als Pilotprojekt. Informationen von Erasmus+ zu den Allianzen für Innovation.
Leitaktion 2: Zukunftsorientierte Projekte (KA239)
Erasmus+ Zukunftsorientierte Projekte zielen darauf ab, innovative Konzepte und Methoden im Bildungsbereich zu entwickeln und in grossem Massstab zu erproben – mit dem Ziel, europaweit Wirkung zu entfalten und Impulse für künftige Reformen zu setzen. Hochschulen arbeiten dabei in grossen Konsortien mit Partnern aus verschiedenen Bildungssektoren, Politik und Gesellschaft und zu Herausforderungen in verschiedenen Bildungsbereichen. Die Projekte umfassen mindestens 3 Institutionen aus 3 Erasmus+ Ländern, in der Praxis bestehen die Konsortien aber oft aus 8 bis 15 Partnern. Sie laufen in der Regel zwischen 24 und 36 Monaten und verfügen über ein Fördervolumen von bis zu 1 Mio. EUR pro Projekt. Beispielthemen vergangener Aufrufe sind die Entwicklung robuster Bewertungsrahmen zur Messung digitaler Kompetenzen, der ethische und effektive Einsatz von generativer KI in der Bildung sowie innovativer Datenaustausch und -analyse für dateninformierte Entscheidungsprozesse. Projektaufrufe für Zukunftsorientierte Projekte gab es bei Erasmus+ 2021-2027 nur jedes zweite Jahr, wahrscheinlich auch im 2027. Informationen von Erasmus+ zu den Zukunftsorientierten Projekten folgt (Beispiel Erasmus+ Aufruf 2025).
Leitaktion 2: Kapazitätsaufbauprojekte für den Hochschulbereich (KA211)
Mit den Kapazitätsaufbauprojekten für den Hochschulbereich (Capacity Building in Higher Education CBHE) unterstützt Erasmus+ die Modernisierung und Internationalisierung von Hochschulsystemen in Partnerländern ausserhalb des Erasmus+ Raums. Finanziert wird diese Aktion durch Mittel für aussereuropäische Aktivitäten der EU, insbesondere im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und EU-Nachbarschaftspolitik. Hochschulen aus Erasmus+ Ländern arbeiten dabei mit Partnerhochschulen weltweit zusammen, um Strukturen zu verbessern, Studiengänge zu entwickeln oder Hochschulverwaltungskapazitäten zu stärken. Die Budgets liegen in der Regel zwischen 200’000 EUR und 1'000’000 EUR pro Projekt, abhängig von Umfang, Laufzeit (2–3 Jahre) und Anzahl Partnerinstitutionen. Informationen von Erasmus+ zu Kapazitätsaufbauprojekte für den Hochschulbereich.
Leitaktion 2: Europäische Hochschulen (KA230)
Die Europäischen Hochschulen sind Allianzen von Hochschulen quer durch Europa, die eine besonders enge institutionelle Zusammenarbeit eingehen und eine langfristige gemeinsame Vision haben. Ziel ist es, einen gemeinsamen, transnationalen Campus zu schaffen, in dem Studierende, Forschende und Lehrende nahtlos über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten können. Erasmus+ geförderte Projekte dieser Allianzen umfassen meist 8 bis 10 Hochschulen sowie viele weitere assoziierte Partnerinstitutionen. Sie Allianzen haben die Möglichkeit, über mehrere Zyklen Fördermittel zu erhalten (bisher bis zu 14 Millionen EUR pro vierjähriges Projekt, resp. ca. 7 Mio. EUR pro zweijähriges Projekt im Call 2026). Ab 2028 sollen die Allianzen die Möglichkeit haben, über eine noch längere Förderperiode (bis zu 7 Jahren) finanzielle Unterstützung zu erhalten. Informationen zur Initiative «Europäische Hochschulen».
Leitaktion 2: European Degree exploratory action
Die Exploratory Actions zum «European Degree» erproben, wie ein gemeinsames europäisches Abschlusslabel umgesetzt werden könnte. Hochschulen entwickeln dabei Pilotmodelle für gemeinsame Studienabschlüsse, um Transparenz, Anerkennung und Lernmobilität in Europa zu stärken. Erste Projekte zu diesem Thema wurden 2022 unter Leitaktion 3 gefördert und dienten als Vorbereitung für mögliche künftige Reformen. «European Degree exploratory action»-Projekte werden 2025, 2026 und gegebenenfalls 2027 unter Leitaktion 2 gefördert. Informationen zum European Degree.
Leitaktion 2: Lehrkräfteakademien (KA232)
Die Erasmus+ Lehrkräfteakademien bringen Hochschulen und weitere Einrichtungen der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung zusammen, um internationale Lernmobilität von angehenden und praktizierenden Lehrpersonen zu fördern und Innovation in Bereichen wie digitale Kompetenzen, Inklusion und Mehrsprachigkeit voranzutreiben. Die Projekte laufen über bis zu drei Jahre, umfassen mindestens sechs Partner aus vier Erasmus+ Ländern und können mit bis zu 1,5 Mio. EUR pro Projekt gefördert werden. Informationen von Erasmus+ zu den Lehrkräfteakademien.
Leitaktion 2: Erasmus Mundus Aktionen (KA231)
Die Erasmus Mundus Aktionen (EMA) fördern hochwertige, international ausgerichtete Masterstudiengänge, die von Hochschulkonsortien aus mindestens drei Ländern gemeinsam angeboten werden und Studierenden weltweit offenstehen. Es gibt zwei Lose: Erasmus Mundus Joint Masters (EMJM) zur Entwicklung und Durchführung gemeinsamer Studiengänge mit Stipendien für Studierende weltweit, sowie Erasmus Mundus Design Measures (EMDM) zur Unterstützung von Hochschulen beim Aufbau neuer Konsortien und neuer gemeinsamer Masterangebote. Während bei den EMJM ein Konsortialprojekt unterstützt wird, beantragt unter den EMDM nur eine einzige Hochschule Fördermittel. Hochschulen profitieren von internationaler Sichtbarkeit, attraktiven Studienangeboten und nachhaltiger Vernetzung. Informationen von Erasmus+ zu den Erasmus Mundus Aktionen.
Leitaktion 3: Europäische experimentelle Massnahmen
Leitaktion 3 (Unterstützung politischer Reformen) begleitet bildungspolitische Entwicklungen auf europäischer Ebene. Für Hochschulen besonders relevant sind die Europäischen experimentellen Massnahmen, die über gezielt ausgeschriebene «Calls for Proposals» (unabhängig des allgemeinen Erasmus+ Projektaufrufs im Herbst) ein Praxistesten politischer Strategien ermöglichen. Im Unterschied zu den eher praxis- und systemnahen «Zukunftsorientierten Projekten» (siehe oben), die auf Innovation und Methodenerprobung abzielen, fokussieren diese Massnahmen auf die Erprobung und Skalierung konkreter bildungspolitischer Instrumente – etwa eines europäischen Degrees-Labels, eines rechtlichen Statuts für Hochschulallianzen oder Micro-Credentials. Solche ambitionierten Projekte bündeln Forschung, Praxis und Leitungsperspektiven – häufig unter Einbindung hoher öffentlicher Stellen wie Bildungsministerien oder auch Dachverbänden – und erzeugen gezielt evidenzbasierte Impulse für die EU-Bildungspolitik. Sie tragen damit massgeblich zu einer Verzahnung zwischen Hochschulen und politischen Akteuren bei. Es werden jeweils immer neue Schwerpunkte und Themen definiert; 2026 etwa die Entwicklung transnationaler Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen in Sektoren mit grossen Fachkräftemängeln. Beispiel: Erasmus+ Call Europäischen experimentellen Massnahmen 2024.
Jean-Monnet-Aktionen im Bereich der Hochschulbildung
Die Jean-Monnet-Aktionen im Bereich der Hochschulbildung unterstützen Hochschulen dabei, Lehre und Forschung zur Europäischen Union auszubauen. Gefördert werden unter anderem Jean-Monnet-Module (Lehrveranstaltungen mit EU-Bezug), Jean-Monnet-Lehrstühle (für ausgewiesene Expert:innen) sowie Jean-Monnet-Exzellenzzentren (institutionelle Ankerpunkte für Forschung und Vernetzung). Ziel ist es, Wissen über europäische Integrationsprozesse in Studium und Forschung zu verankern und den Austausch zwischen Hochschulen, Politik und Gesellschaft zu stärken. Informationen von Erasmus+ zu den Jean-Monnet-Aktionen im Bereich der Hochschulbildung.
Fördermöglichkeiten aus anderen Bereichen
Hochschulen können sich nicht nur an den speziell auf den Hochschulbereich ausgerichteten Aktionen beteiligen, sondern auch an Projekten für andere Bildungsbereiche. Besonders gefragt sind sie dort, wo sie spezifische fachliche oder methodische Expertise einbringen – etwa wenn eine Pädagogische Hochschule in einer Kooperationspartnerschaft Schulbildung mitwirkt oder eine Fachhochschule Teil eines Zentrums für berufliche Exzellenz (COVE) ist.
Darüber hinaus eröffnet Erasmus+ auch im Bereich Sport interessante Möglichkeiten für Hochschulen. Gefördert werden hier Kooperationspartnerschaften zu Themen wie Inklusion, gesundes Leben, duale Karrieren oder die Bekämpfung von Diskriminierung – Themenfelder, in denen Hochschulen Forschung, Lehre und Praxis eng miteinander verbinden können. Weitere Informationen zu Kooperationspartnerschaften Sport finden Sie direkt bei Erasmus+.