Erasmus+ entdecken: Jahresveranstaltung Jugend 2026

Am 3. September 2026 trafen sich rund 60 Fachpersonen der Jugendarbeit im Stellwerk Bern. Sie setzten sich mit den neuen Förderangeboten unter Erasmus+ auseinander, diskutierten die horizontalen Prioritäten des Programms und nahmen konkrete Impulse für ihre Arbeit mit.

Im Zentrum der Jahresveranstaltung stand die Frage, wie sich Organisationen der Jugendarbeit auf eine mögliche Assoziierung der Schweiz an Erasmus+ vorbereiten können. Movetia unterstützt sie dabei, Mobilitäts- und Kooperationsprojekte auch weiterhin durchzuführen und gleichzeitig neue Formate kennenzulernen.

Eine Präsentation und der Erasmus+ Markt gaben den Teilnehmenden einen praxisnahen Einblick in die verschiedenen Austauschformate. Der Markt war als interaktive Entdeckungsreise aufgebaut: In kleinen Gruppen besuchten die Teilnehmenden vier Stationen und erhielten an jeder Station während zwölf Minuten Informationen zu einem Format. Vorgestellt wurden der Jugendaustausch, Aktivitäten zur Förderung der Jugendbeteiligung, die Mobilität von Jugendarbeitenden sowie Kooperationen. Der Erasmus+ Markt machte deutlich, dass Mobilitäts- und Kooperationsprojekte weiterhin möglich sind und unter Erasmus+ neue Formate dazukommen. Als nächste Schritte wurden unter anderem Webinare zu den gewünschten Formaten sowie eine FAQ-Sammlung aus den Fragen der Teilnehmenden angekündigt.

Anschliessend setzten sich die Teilnehmenden in drei parallelen Workshops mit drei der «horizontalen Prioritäten» von Erasmus+ auseinander: Inklusion, demokratische Teilhabe und Digitalisierung. Diese Themen sind bereits heute wichtig für die Jugendarbeit, sie rücken unter Erasmus+ noch stärker in den Fokus: alle geförderten Projekte müssen aufzeigen, wie sie zu diesen Prioritäten beitragen. Die Jahresveranstaltung vermittelte den Teilnehmenden dazu Denkanstösse.

Inklusion braucht Austausch

Inklusion bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt teilhaben können – unabhängig von individuellen Merkmalen oder Lebensumständen. Im Workshop «Inklusion und Diversität in Erasmus+» diskutierten die Teilnehmenden, wie inklusive Projekte in der Praxis gelingen können.

Sie tauschten sich über die Haltung ihrer Organisation zur Inklusion aus und reflektierten ihre Erfahrungen. Dabei wurde deutlich: Zwischen dem Anspruch auf Inklusion und der Realität bestehen oft Spannungsfelder. Organisationen stehen beispielsweise vor der Frage, wie sie unterschiedliche Gruppen erreichen, Barrieren abbauen und inklusive Angebote gestalten können.

Inklusion muss verschiedene Hürden berücksichtigen. Dazu gehören unter anderem Behinderungen, gesundheitliche Herausforderungen, kulturelle Unterschiede oder geografische Distanzen. Die Teilnehmenden diskutierten auch, wie mehrere Hürden gleichzeitig berücksichtigt werden können – etwa, wenn eine Person sowohl von einer Behinderung als auch von kulturellen Unterschieden betroffen ist.

Anhand von Fallbeispielen entwickelten sie eigene Ideen und überlegten, welche Veränderungen sie in ihren Organisationen anstossen können. Ein zentrales Take-away des Workshops war, dass Inklusion mit der Reflexion der eigenen Haltung und konkreten Schritten im Alltag beginnt, zum Beispiel durch barrierefreie Kommunikation, gezielte Ansprache unterrepräsentierter Gruppen oder die Berücksichtigung unterschiedlicher Bedürfnisse bei der Projektplanung.

Demokratische Teilhabe gestalten

Im Workshop zur demokratischen Teilhabe stand die Frage im Zentrum, was die Beteiligung junger Menschen in der Praxis bedeutet. Die Diskussionen zeigten: Es gibt nicht die eine richtige Form der Beteiligung. Welche Möglichkeiten sinnvoll sind, hängt vom Projekt, vom Umfeld und von den beteiligten Jugendlichen ab.

Entscheidend ist, dass Jugendliche wissen, weshalb ihre Meinung gefragt ist, worüber sie mitentscheiden können und wo die Grenzen ihres Einflusses liegen. Klare Informationen, transparente Kommunikation und eine passende Begleitung schaffen die Grundlage für eine Beteiligung, die über reine Symbolik hinausgeht.

Die Teilnehmenden erweiterten zudem ihr Verständnis von Beteiligung. Junge Menschen können sich beispielsweise an der Planung beteiligen, Aufgaben übernehmen, Entscheidungen zum Ablauf beeinflussen oder ihre Perspektive in einem Austausch einbringen. Auch weniger formelle Formen des Engagements sollen anerkannt werden. Gleichzeitig gilt: Wer sich nicht beteiligen möchte, soll diese Entscheidung ebenfalls treffen dürfen.

Der Erfahrungsaustausch regte die Teilnehmenden dazu an, ihre eigenen Projekte und Beteiligungsformen zu hinterfragen. Dabei wurde deutlich, dass eine Beteiligung bereits während oder nach einem Projekt eine langfristige Kultur der Teilhabe fördern kann, auch wenn eine Einbindung in der Konzeptionsphase nicht immer möglich ist.

Den digitalen Wandel begleiten

Der Workshop zum digitalen Wandel widmete sich der Frage, wie Projekte der Jugendarbeit Jugendliche in einer sich schnell verändernden digitalen Welt begleiten können. Im Mittelpunkt standen digitale Kompetenzen, Medienbildung und die Rolle der Jugendarbeit.

Die Diskussionen machten deutlich, dass digitale Kompetenzen mehr umfassen als die Bedienung einzelner Tools. Jugendliche und Fachpersonen müssen Informationen kritisch beurteilen, Desinformation erkennen und die Auswirkungen digitaler Plattformen verstehen können. Auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz braucht es neben technischen Kenntnissen die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch zu prüfen und eigene kreative Kompetenzen weiterzuentwickeln.

Für Organisationen stellen sich zusätzlich Fragen zum Datenschutz, zu Nutzungsbedingungen und zu den vorhandenen Ressourcen. Digitale Angebote führen nicht automatisch zu mehr Chancengleichheit. Unterschiedliche Geräte, Zugänge und Gewohnheiten müssen ebenso berücksichtigt werden wie die Situation der Eltern und des weiteren Umfelds.

Die Teilnehmenden diskutierten auch die Bedeutung analoger Räume. Persönliche Begegnungen, kreative Tätigkeiten und niederschwellige Angebote können Jugendlichen Alternativen zur digitalen Nutzung bieten. Prävention und ein bewusster Umgang mit digitalen Medien waren deshalb zentrale Themen des Workshops. Niederschwellige Angebote wie Jugendaustausche bieten eine konkrete Möglichkeit, Jugendliche zeitnah für Themen wie digitale Kompetenzen, Medienbildung und den kritischen Umgang mit Desinformation und künstlicher Intelligenz zu sensibilisieren. Sie schaffen Raum für Austausch und Reflexion und ermöglichen es, aktuelle Herausforderungen direkt aufzugreifen, ohne auf umfassende Strategien auf Bundesebene warten zu müssen.

Impulse für die eigene Arbeit

Die Workshops machten deutlich: Inklusion, demokratische Teilhabe und digitaler Wandel sind keine isolierten Themen. Sie betreffen die tägliche Arbeit von Organisationen und verlangen nach konkreten, kontextbezogenen Lösungen. Der Austausch mit anderen Fachpersonen lieferte dafür neue Perspektiven und praktische Anregungen.

Erasmus+ in der Jugendarbeit

Die Jahresveranstaltung Jugend 2026 zeigte, wie vielfältig die Möglichkeiten von Erasmus+ in der Jugendarbeit sind. Sie bot Raum, neue Austauschformate kennenzulernen, eigene Erfahrungen einzubringen und gemeinsam über aktuelle Herausforderungen nachzudenken.

Setzen auch Sie sich mit den Fördermöglichkeiten von Erasmus+ auseinander und bereiten Sie Ihre Projekte vor. Auf der Erasmus+ Website von Movetia finden Sie Informationen zu den verschiedenen Angeboten für die Jugendarbeit.

Das Team Jugend unterstützt Sie gerne bei Fragen zu Förderprogrammen, Austauschformaten und der Entwicklung Ihrer Projektidee.

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