Jugendarbeitende inspirieren sich gegenseitig

Spannende Diskussionen und innovative Praxisansätze erwarteten den ehemaligen Jugendarbeiter Michel Eisele im November 2023. Mit weiteren europäischen Jugenarbeitenden nahm er dank der Unterstützung von Movetia an einer Konferenz in Luxemburg teil. Interview.

Jugendtreffpunkt bei deutschsprachiger Konferenz in Luxemburg.
Foto: Daachverband vun de Lëtzebuerger Jugendstrutkuren

Michel Eisele ist gerade 40 Jahre alt geworden und lebt in Basel. Bevor er sich vor kurzem zum «Outdoor Guide» ausbilden ließ und sich selbstständig machte, leitete er über fünf Jahre lang die Mobile Jugendarbeit in Basel.

Was hat dir dieser Austausch gebracht?

Dieser Austausch hat uns ermöglicht, die Qualitätsstandards der Jugendarbeit im deutschsprachigen Raum zusammenzubringen. Wir trafen uns vor Ort mit etwa 30 Teilnehmenden aus der deutschsprachigen Schweiz, aus Deutschland, Österreich und Luxemburg. Das Treffen bot uns eine Gelegenheit, die Unterschiede zu verstehen, die es in den Praktiken dieser verschiedenen Länder gibt. Einige arbeiten eher institutionell, andere sind eher im Freien, in offenen Räumen tätig. Auch die Rolle der Jugendarbeiter:innen unterscheidet sich in den verschiedenen Ländern deutlich.

Ich konnte meine praktischen Erfahrungen weitergeben und auch von den Erfahrungen anderer lernen. Das ermöglicht mir, meine Arbeit als Jugendarbeiter weiterzuentwickeln sowie Forschung und Innovation zu betreiben. Ich war auch im Auftrag vom Dachverband Offene Jugendarbeit Schweiz (DOJ/AFAJ), um für ein Forschungsprojekt Erkenntnisse zu gewinnen.

Was hast du konkret vor Ort gelernt?

Wir haben einen Einblick in die Praxis erhalten, indem wir Institutionen in Luxemburg besucht haben. Neben Jugendtreffpunkten bietet Luxemburg sogenannte «Jugendinfopunkte (JIP)» andie sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis 30 Jahre richten. Es handelt sich um eine Art Büros, in denen Jugendliche Beratung und Informationen zu verschiedenen Themen erhalten; es gibt Computerstationen und Unterstützung zu sozialen Themen oder bei der Durchführung von Projekten. Diese Räume werden durchschnittlich von 5-6 Sozialarbeitenden geleitet, die teilweise auch aufsuchende Jugendarbeit machen.

Ich konnte insgesamt als innovative Praxis feststellen, dass in der Jugendarbeit nun mehr im Sinne der Prävention gearbeitet wird. Die Idee ist, auf einen gesellschaftlichen Wandel hinzuarbeiten, anstatt die Symptome zu bekämpfen, wenn sie schon da sind. Das gilt für alle möglichen Themen, die die Jugend betreffen: Schule, Arbeit, Familie, Internetkonsum oder soziale Netzwerke. Wenn man im Vorfeld an der Prävention arbeitet und die Jugendlichen informiert, kann man auf nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft hoffen.

Würdest du diese Art von Austausch im Bereich der Jugendarbeit weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Ich sehe zwei sehr wichtige Vorteile darin: ein Netzwerk aufzubauen und sich weiterzubilden. Die Idee ist, dass man bei einem solchen Austausch wirklich voneinander lernt.

Man kann nur gemeinsam neue Konzepte und Ideen hervorbringen, auf die man allein nicht unbedingt gekommen wäre. Es ist immer bereichernd, die Praktiken in seinem Bereich in anderen Ländern kennenzulernen.

Suitable funding opportunities

  • Europäische Weiterbildungen für Jugendarbeitende

    Weiterbildungen in Europa für Schweizer Jugendarbeitende in der offenen und verbandlichen Jugendarbeit. Förderangebote für Freiwillige und Profis.

On the topic

  • Zwischen Konzept und Wirkung: Was gute Methoden auszeichnet

    Zwischen Konzept und Wirkung: Was gute Methoden auszeichnet

    Wie lassen sich Lernprozesse so gestalten, dass sie Beteiligung fördern und nachhaltig wirken? Mit dieser Frage setzten sich die Teilnehmenden im Modul «A Deep Dive into Methods», das in Bern stattfand, auseinander. Sie beleuchteten zentrale Merkmale guter Methoden der non-formalen Bildung, hinterfragten ihre eigenen Praktiken und reflektierten die Rolle von Workshopleitenden im Lernprozess.

  • Als Lehrperson ein Jahr nach Dakhla

    Als Lehrperson ein Jahr nach Dakhla

    Im Schuljahr 2025/2026 hat Nicolas Joray seine Stelle als Lehrperson in Delémont (JU) pausiert und hat im Rahmen eines selbst organisierten Austauschprojektes in einer Schule in Marokko unterrichtet – finanziell unterstützt durch Movetia. Wenige Wochen vor seiner Rückkehr in die Schweiz blickt er auf die getroffenen Vorbereitungen und seine Rolle und Integration an der marrokanischen Schule zurück und nennt einige Take aways für seine künftige Unterrichtspraxis.

  • Lernen, wachsen, entdecken: Mein Berufspraktikum in der Westschweiz

    Lernen, wachsen, entdecken: Mein Berufspraktikum in der Westschweiz

    Ein Tapetenwechsel, neue Menschen und eine andere Sprache: Dominic, angehender Uhrenmacher EFZ, erzählt von seinem Berufspraktikum in der Romandie. Erfahren Sie, wie ihn dieser Austausch in der französisch sprachigen Schweiz persönlich und beruflich wachsen liess und warum er allen Lernenden rät: «einfach machen».