Zwischen Konzept und Wirkung: Was gute Methoden auszeichnet

Wie lassen sich Lernprozesse so gestalten, dass sie Beteiligung fördern und nachhaltig wirken? Mit dieser Frage setzten sich die Teilnehmenden im Modul «A Deep Dive into Methods», das in Bern stattfand, auseinander. Sie beleuchteten zentrale Merkmale guter Methoden der non-formalen Bildung, hinterfragten ihre eigenen Praktiken und reflektierten die Rolle von Workshopleitenden im Lernprozess.

Was macht eine gute Methode aus? Dieser zentralen Frage widmeten sich die Teilnehmenden des Moduls «A Deep Dive into Methods» in Bern anhand praktischer Übungen, gemeinsamer Reflexionen und eines aktiven Erfahrungsaustauschs. Die Teilnehmer:innen erlebten eingesetzte Methoden zunächst selbst aus der Perspektive von Lernenden, um diese anschliessend gemeinsam zu analysieren. Dieser Perspektivenwechsel ermöglichte es, nicht nur die Methoden selbst, sondern auch die dahinterliegenden Ziele, Absichten und pädagogischen Haltungen kritisch zu reflektieren. Sie haben das Modul verpasst? Die wichtigsten Erkenntnisse des Tages zusammengefasst:

Warum das Lernziel vor der Methode kommt

Bevor sich bestimmen lässt, was eine gute Methode ausmacht, beschäftigten sich die Teilnehmenden zunächst mit einer grundlegenden Frage: Was ist überhaupt eine Methode?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, nutzte das Workshop-Leitungsteam die Metapher des «Verkehrsmittels». Eine Methode könne man sich wie ein Transportmittel vorstellen, mit dem eine Gruppe gemeinsam ihr Ziel erreicht. Ob Zug, Fahrrad oder Boot spiele dabei keine entscheidende Rolle. Wichtig sei vielmehr, dass alle gemeinsam ans Ziel gelangen und dieses während des gesamten Prozesses im Blick behalten werde. Die Methode ist somit das (Verkehrs-)Mittel zum Zweck – nicht das Ziel selbst.

Wie ein roter Faden zog sich dieses metaphorische Bild durch die Diskussionen des gesamten Moduls. Die Gespräche verdeutlichten insbesondre, wie wichtig es ist, zuerst angestrebte (Lern-)Ziel zu definieren, bevor eine Methode ausgewählt wird.

Was ist eine gute Methode?

Die Workshop-Teilnehmenden diskutierten die Bedeutung einer sorgfältigen Vorbereitung. Sie kamen zum Schluss, dass eine gut geplante Methode Sicherheit bei der Durchführung gebe und gleichzeitig genügend Spielraum lasse, um auf die Bedürfnisse der Gruppe einzugehen. Das Leitungsteam betonte zudem, wie hilfreich es sei, verschiedene Szenarien oder Alternativen vorzubereiten. So könne in unerwarteten Situationen stets flexibel reagiert werden.

Mit dem Ziel, Gewohnheiten zu hinterfragen, regten praktische Übungen die Modul-Teilnehmenden dazu an, ihre eigenen Routinen kritisch zu reflektieren. Diese Form der Selbstreflexion sei nicht immer selbstverständlich, hielt eine Teilnehmerin fest: «Man reflektiert nie, wieso man eine Methode benutzt. Man übernimmt sie von Personen vor uns, ohne sie zu hinterfragen, einfach weil man es schon immer so gemacht hat.»

Ausgehend von dieser Erkenntnis konzentrierten sich die Diskussionen auf zentrale Fragen bei der Wahl einer Methode: Welches Mass an Beteiligung möchte ich ermöglichen? Welche Form der Interaktion soll gefördert werden? Soll individuell, in Kleingruppen oder im Plenum gearbeitet werden? All diese Aspekte beeinflussen den Lernprozess und sollten bewusst berücksichtigt werden. Schliesslich lud einer der Referenten die Teilnehmenden dazu ein, sich bei der Planung von Methoden stets und immer wieder dieselbe Frage zu stellen: «Was steht als Grund dahinter, dass ich es so mache, wie ich es mache?».

Um die reflexive Haltung, die in der non-formalen Bildung besonders wichtig ist, unmittelbar zu erleben und anzuwenden, wurden die Teilnehmenden ermutigt, die im Modul-Workshop verwendeten Methoden gleich selbst zu hinterfragen. 

Die Rolle von Workshopleitenden bei der Anwendung von Methoden

Die Diskussionen machten deutlich, dass eine Methode ihre volle Wirkung nur dann entfalten kann, wenn die Person, die sie anwendet, sie sicher und situationsgerecht einsetzen kann. 

In Anlehnung an die Transportmetapher wurde dieser Gedanke weitergeführt. Wie das Workshop-Leitungsteam erklärt: «Wenn die Methode das Transportmittel ist, sind wir die Fahrer:innen. Wir müssen ein Transportmittel wählen, das wir auch steuern können. »

Wenn die Methode das Transportmittel ist, sind wir die Fahrer:innen. Wir müssen ein Transportmittel wählen, das wir auch steuern können.
Workshop-Leitungsteam

Im Zentrum stand damit nicht nur die Frage nach der passenden Methode, sondern auch die nach den Kompetenzen der Person, die den Lernprozess begleitet. Die Teilnehmenden nannten dabei insbesondere Intuition, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, auf die Dynamik einer Gruppe einzugehen.

Das Leitungsteam erinnerte daran, dass die Aufgabe von Workshopleitenden nicht darin bestehe, jeden Schritt eines Prozesses zu kontrollieren. Vielmehr gehe es darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Lernen erst möglich machen.

Diese Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Situationen einzustellen, knüpft direkt an die Bedeutung einer guten Vorbereitung an. So wie eine Gruppe manchmal das Verkehrsmittel wechseln muss, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, müssen ebenfalls Workshopleitenden ihre Methoden gelegentlich an die Bedürfnisse der Gruppe, deren Energie oder unerwartete Situationen anpassen. 

Das Leitungsteam betonte: «Für verschiedene Optionen vorbereitet sein. Das vereinfacht den Umstieg auf verschiedene Transportkonzepte.» Eine gute Vorbereitung bedeutet nicht nur, den Ablauf zu planen, sondern ebenfalls diverse Möglichkeiten mitzudenken, um stets flexibel darauf reagieren zu können. Die Teilnehmenden fügten hinzu und hoben hervor, wie wichtig es sei, offen für Feedback zu bleiben, sich kontinuierlich weiterzubilden und die eigene Praxis regelmässig zu reflektieren. Eine teilnehmende Person fügte hinzu, dass Workshopleitenden die Haltung des lebenslangen Lernens einnehmen sollten. Die Person sagte: «Offen sein, um etwas Neues zu lernen, offen sein für Feedback und auch bereit sein, Weiterbildungen zu machen. Man sollte den Workshop, den man leitet, auch als Lernprozess für sich selbst verstehen.»

Diese kontinuierliche Lernhaltung wurde als wichtige Voraussetzung betrachtet, um Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Erfahrungen begleiten zu können.

Besonders ein Punkt prägte die Diskussionen im Modul: Nervosität. Denn zu Beginn des Tages erklärte eine der leitenden Personen, dass sie trotz langjähriger Erfahrung noch immer vor jedem Workshop nervös sei. Mehrere Teilnehmende entgegneten, dass gerade diese Offenheit und Ehrlichkeit die Workshopleitenden nahbarer machten, was eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffe. Die Bedeutung von «lead by example» wurde dadurch deutlich sichtbar.

Lernen, anpassen und weiterentwickeln - Zwischen Methode und Kompetenz

Die Reflexionen des Tages führten schliesslich zu einer gemeinsamen Erkenntnis: Die perfekte oder universell einsetzbare Methode gibt es nicht.

Der Austausch zeigten vielmehr: Methoden bleiben nur dann wirksam, wenn man sie regelmässig hinterfragt, an die gewünschten Ziele anpasst und auf die Bedürfnisse einer Gruppe abstimmt. Ebenso entwickeln sich die Kompetenzen von Workshopleitenden durch Reflexion, Erfahrungsaustausch und kontinuierliche Weiterbildung weiter.

Der Workshop hat deutlich gemacht: eine gute Methode und kompetente Workshopleitenden sind untrennbar miteinander verbunden und gehören zusammen. Eine durchdachte Methode braucht eine Person, die sie an den jeweiligen Kontext anpassen kann. Gleichzeitig brauchen erfahrene Workshopleitenden ebenfalls Methoden und Werkzeuge, die zu den angestrebten Zielen passen. Nachhaltige Lernprozesse entstehen genau durch dieses Zusammenspiel von reflektierten Methoden und Menschen, die bereit sind, diese ständig weiterzuentwickeln.

Das Modul «A Deep dive Into Methods» erinnerte daran, dass nachhaltiges Lernen mehr als nur einzelne Methoden umfasst. Es beruht darauf, sich anzupassen, die eigene Praxis zu hinterfragen und offen für neue Perspektiven und Sichtweisen zu sein. Methoden bleiben niemals gleich. Sie verändern und entwickeln sich mit den Menschen, die sie nutzen, mit den Gruppen, die sie erleben, und mit den Situationen und Kontexten, in denen sie angewandt werden. Gerade in dieser Dynamik entstehen Lernprozesse, die sinnstiftend sind und Wirkung langfristig entfalten.

Dies konnten die Teilnehmenden, die eine grosse Vielfalt an Organisationen aus den Bereichen Jugendarbeit, Freiwilligenarbeit und internationalen Austauschprojekten vertraten und aus den Kantonen Bern, Waadt, Freiburg, Solothurn, Schwyz, Tessin, Genf und Graubünden sowie aus Liechtenstein stammten, während des Moduls selbst erfahren. Mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und beruflichen Hintergründen wurden die Diskussionen zusätzlich bereichert. Die grosse Diversität der Teilnehmenden machte deutlich, dass das Interesse an Wissen, Kompetenzen und Austausch rund um non-formale Bildung im Feld weiterhin zentral ist.

Damit dieser Wissenstransfer nicht auf einzelne Veranstaltungen beschränkt bleibt, sondern langfristig im Feld der non-formalen Bildung weiterwirken kann, setzt das Büro für non-formale Bildung gezielt auf Vernetzung und den Zugang zu entsprechenden Ressourcen. Zu diesem Zweck wurde eine Plattform geschaffen, die Akteur:innen der non-formalen Bildung miteinander verbindet und den Austausch von Wissen und Praxis unterstützt.

Das Modul «A Deep Dive into Methods», das am 15. Juni 2026 in Bern stattfand, wurde vom Büro für non-formale Bildung im Rahmen des Leistungsauftrags des Bundesamts für Sozialversicherungen (BSV) organisiert. Inhaltlich knüpfte es an das im Vorjahr durchgeführte Modul an und vertiefte zentrale Fragestellungen rund um die Rolle von Methoden und Lernprozessen in der non-formalen Bildung. Den Rückblick auf das letztjährige Modul finden Sie hier.

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  • Austausch für Jugendarbeitende

    Schweizer Organisationen der ausserschulischen Jugendarbeit organisieren Austauschprojekte im In- und Ausland für ihre Jugendarbeitenden. 

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