Mit internationaler Kooperation neue Bildungsmodelle entwickeln
Schulen, die gemeinsam neue Lernformate entwickeln, heben sich mit selbst erarbeiteten Alleinstellungsmerkmalen von anderen Schulen ab. Sie qualifizieren sich als innovative Institutionen, die zu einem starken Bildungssystem in der Schweiz beitragen und einen wichtigen Beitrag zum Kompetenzerwerb ihrer Schülerinnen und Schüler leisten. Die von Movetia als Kooperationsprojekt geförderte Initiative «THE ! association» zeigt beispielhaft, wie internationale Zusammenarbeit zu einem nachhaltigen Bildungsangebot für Berufsfachschulen führt.
Stellen Sie sich vor: Eine Lernende in Zürich spricht zum ersten Mal auf Englisch mit einem Teamkollegen aus Indonesien. Gemeinsam arbeiten sie an einer Idee für mehr Nachhaltigkeit – nicht im Rahmen eines Austauschsemesters, sondern beide im eigenen Klassenzimmer, im eigenen Land.
Was hier entsteht, ist mehr als ein Projekt: «The Horse Pilot 2024/25 – Intercultural Projects by Vocational Students», initiiert von THE ! association, zeigt als Modell, das im Rahmen einer von Movetia geförderten Kooperation entstanden ist, wie internationale Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und moderne Berufsbildung zusammenfinden können – praxisnah, inklusiv und zukunftsorientiert. Die Innovationskraft des Projekts liegt in seinem konsequent praxisorientierten und partizipativen Lernansatz. Internationale Online-Zusammenarbeit wird dabei nicht als Zusatzangebot verstanden, sondern als integraler Bestandteil moderner Berufsbildung.
Eliane Suter, Präsidentin der THE ! association, beschreibt den Ansatz so: «The Horse bringt internationale Online-Zusammenarbeit gezielt in die Berufsbildung – ein Bereich, in dem solche Angebote bisher selten sind. Nicht Wissensvermittlung steht im Zentrum, sondern die eigene Erfahrung: Die Lernenden entwickeln eigene Ideen, führen Interviews mit Fachpersonen, besuchen Betriebe, machen Experimente oder Umfragen – und vergleichen ihre Erkenntnisse mit jenen ihrer internationalen Partnerinnen und Partner. Ihre Ergebnisse präsentieren sie an einer internationalen Online-Konferenz und veröffentlichen sie auf dontwastemy.energy.»
Internationale Kompetenzen werden immer wichtiger
Berufslernende in der Schweiz leisten viel: Sie arbeiten im Lehrbetrieb, besuchen die Berufsfachschule. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an angehende Fachkräfte. Neben fundiertem Fachwissen sind heute zusätzlich internationale Zusammenarbeit, interkulturelle Kompetenzen und globale Perspektiven gefragt.
Klassische Austauschprogramme leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung interkultureller Kompetenzen. Jedoch kann bisher oft nur ein Teil der Lernenden tatsächlich eine Auslandserfahrung machen. Hier setzt The Horse an – ein Modellkonzept, das als Projekte im Bereich der internationalen Kooperationen entstanden ist.
Es ermöglicht, internationale Lernerfahrungen direkt in den Unterricht zu integrieren und so interkulturelle Kompetenzen frühzeitig zu fördern. Das Projekt erreicht dadurch eine breite Gruppe von Lernenden, baut Hemmschwellen gegenüber internationalen Begegnungen ab und kann den Einstieg in spätere internationale Austausch- und Mobilitätsprogramme erleichtern.
Global denken, zuhause starten: Ein Beispiel
Wie können Lernende interkulturelle Erfahrungen sammeln, falls sie nicht für mehrere Tage oder Wochen ins Ausland reisen können? Eine Antwort ist Internationalisation@home, an der The Horse Pilot anknüpft: Internationale Zusammenarbeit wird digital direkt in den Unterricht integriert. Lernende arbeiten mit Partner aus anderen Ländern zusammen und sammeln erste interkulturelle Erfahrungen. Begleitet werden sie dabei von sogenannten THE ! Ambassadors. Diese jungen Fachpersonen mit eigener internationaler Erfahrung unterstützen die Lernenden während des Projekts, fördern den interkulturellen Austausch, begleiten den Projektprozess und stehen als Ansprechpersonen bei fachlichen und organisatorischen Fragen zur Verfügung.
Ich habe internationale Teams begleitet und dabei selbst am meisten gelernt – zu moderieren, zwischen Arbeitsweisen zu vermitteln, dranzubleiben, wenn eine Gruppe stockt. Für viele Teilnehmende war es der erste direkte Kontakt mit Gleichaltrigen aus einer anderen Kultur. Das prägt.
Ein solcher Ansatz ersetzt zwar einen Auslandsaufenthalt nicht, schafft jedoch einen niederschwelligen und flexiblen Einstieg in die internationale Zusammenarbeit. Er baut Hemmschwellen ab, stärkt interkulturelle Kompetenzen und kann die Grundlage für eine spätere Teilnahme an Austausch- und Mobilitätsprogrammen bilden.
Wie das Projekt funktioniert
Im Rahmen von Projekten wie «The Horse Pilot 2024/25», als ein Resultat gelungener internationaler Kollaboration, arbeiten Lernende in länderübergreifenden Teams an konkreten Fragestellungen, etwa zu Themen wie Nachhaltigkeit, Mobilität oder gesellschaftliche Entwicklungen. Der methodische Ansatz ist klar aufgebaut: Er verbindet Collaborative Online International Learning (COIL) mit projektbasiertem Lernen entlang eines strukturierten Projektzyklus (BEFTER) sowie digitaler Zusammenarbeit über Länder-, Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.
Die «BEFTER-Methode» aus der Sicht der (interkulturellen) Lernforschung
Von Prof. Dr. Stefan Kammhuber (ost.ch), Leiter des Instituts ikik (Institut für Kommunikation und interkulturelle Kompetenz), Fachhochschule OST.
Quelle: dontwastemy.energy/2019/02/07/new-teaching-and-learning-concept/, letzter Zugriff, 10.06.2026
Einblicke, Beispiele und Ergebnisse von «The Horse Pilot»
Die Lernenden gestalten den Prozess aktiv mit. Sie recherchieren gemeinsam, tauschen unterschiedliche Perspektiven aus und entwickeln daraus eigene Lösungsansätze. Am Ende präsentieren sie ihre Ergebnisse und machen ihre Arbeit sichtbar. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein «The Horse»-Zertifikat. Es dokumentiert die jeweilige Rolle im Projekt und hält die erworbenen Kompetenzen fest. Damit kann es als erster Nachweis internationaler Erfahrung auf dem weiteren Bildungsweg und im Berufsleben dienen.
Von Anfang an war klar: Das ist keine Hausaufgabe. Wir haben unsere eigenen Ideen entwickelt und selbst entschieden, wie wir sie umsetzen. Die Ambassadors haben uns gecoacht und nachgefragt, ob das im Zeitrahmen überhaupt realistisch ist – aber die Verantwortung lag bei uns.
Internationale Zusammenarbeit wird bei «The Horse» zu einem selbstverständlich Teil des Unterricht und so zu einem festen Bestandteil des Lernalltags. Hemmschwellen gegenüber internationalen Begegnungen können so abgebaut und die Motivation gestärkt werden, später an Austausch- und Mobilitätsprogrammen teilzunehmen.
Kooperationen: Chance für Berufsbildung und Wirtschaft
Während ein solches Projekt als Ergebnis einer gelungenen Kooperation den Lernenden zugutekommt, profitieren insbesondere auch die initiierenden Institutionen und Unternehmen von derartigen Kooperationsprojekten. Die Vorteile im Überblick:
| Berufsfachschulen | Lehrbetriebe |
- Integration internationaler Zusammenarbeit in den Unterricht - Innovative, praxisnahe Lernforme - Aufbau internationaler Partnerschaften - Nachhaltige Nutzung von Projektergebnissen | - Erhalten Lernende mit globalen Kompetenzen - Stärkung von Teamfähigkeit, Eigeninitiative und Problemlösung der Auszubildenden - Vorbereitung und Know-how über die Funktionsweise einer vernetzten Arbeitswelt |
Über das einzelne Projekt hinaus entstehen nachhaltige globale Partnerschaften zwischen Schulen, Organisationen und internationalen Partnern. Diese Netzwerke stärken die internationale Zusammenarbeit und können den Weg für weitere Projekte oder spätere Mobilität ebnen.
Internationale Bildung als Teil des Alltags
Eine besondere Stärke von Projekten wie The Horse liegt darin, internationale Zusammenarbeit als selbstverständlichen Bestandteil der Berufsbildung zu etablieren. Denn:
- Internationale Erfahrung wird zugänglich für alle Lernenden.
- Nachhaltigkeit wird konkret bearbeitet statt nur theoretisch vermittelt.
- Globale Zusammenarbeit wird erlebbar direkt im Unterricht.
Solche Initiativen zeigen exemplarisch, wie internationale Kooperationen zu einer inklusiven, vernetzten und zukunftsorientierten Berufsbildung beitragen können.
Ein Blick in die Zukunft der Berufsbildung
Das im Rahmen einer Kooperation Modell «The Horse» zeigt, wie internationale Bildung durch internationale Kooperationen langfristig und nachhaltig im Berufsfachschulunterricht verankert werden kann. Gleichzeitig dient dieses Modellprojekt als Ausgangspunkt für neue internationale Partnerschaften und setzt Impulse für weitere innovative Bildungsformate.
Andere gehen zu einer Weiterbildung – ich habe mich entschieden, international zusammenzuarbeiten. Das war sehr bereichernd
«The Horse» schafft weit mehr als gelungene Projektarbeiten. Es entstehen tragfähige internationale Netzwerke, neue Perspektiven und wertvolle Lernerfahrungen – für die Lernenden ebenso wie für Lehrpersonen und Bildungseinrichtungen. Kathrin Hayn, Lehrperson an der Berufsschule Bülach, bringt diese Wirkung auf den Punkt:
«Die Zusammenarbeit war bereichernd, lebendig und manchmal auch herausfordernd. Gerade das gemeinsame Überwinden von sprachlichen, kulturellen und organisatorischen Unterschieden war ein wichtiger Teil der Lernerfahrung – auch für uns im Projektteam. Und wenn dann an der internationalen Konferenz die Teams mit Stolz ihre Projekte vorstellten, sah man, wie inspirierend das sein kann.»
Unterstützung für Ihre Projektidee
Mit Kooperationen können Bildungsinstitutionen innovative Modelle für wichtige Zukunftskompetenzen erarbeiten. Starten auch Sie Ihr eigenes Projekt in Ihrer Berufsfachschule oder Organisation und informieren Sie sich über Förderangebote im Bereich Internationaler Kooperationen mit Schweizer Leitung.