Erhöhte Bildungsqualität durch internationale Kooperation
Sie möchten sich als Bildungsinstitution weiterentwickeln und die Qualität Ihrer Lehrformate steigern? Erasmus+ Kooperationspartnerschaften machen dies möglich. Gemeinsam mit internationalen Institutionen aus der Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft werden neue Ansätze erprobt, bewährte Praktiken geteilt und die internationale Vernetzung vorangetrieben.
Was ist eine Kooperationspartnerschaft Erasmus+ (KA220)?
In einer Kooperationspartnerschaft arbeiten Organisationen aus mindestens drei Erasmus+ Programmländern zusammen. Die Projekte laufen zwischen 12 und 36 Monaten und werden mit bis zu 400’000 EUR pro Projekt unterstützt. Das Ziel besteht dabei darin, eine echte transnationale Zusammenarbeit zu ermöglichen, innovative Bildungsprojekte zu entwickeln, Praktiken auszutauschen oder gemeinsame Herausforderungen im Bildungswesen zu lösen. Zusätzlich können auch Organisationen aus Ländern mitwirken, welche nicht an Erasmus+ assoziiert sind – wie aktuell die Schweiz. Diese erhalten jedoch keine Erasmus+ Fördergelder und können nicht als Hauptkoordinatorin fungieren. Zudem wurde unter der Erasmus+ Generation 2021–2027 zunehmend eingeschränkt, dass Erasmus+ Mittel für Aktivitäten in den Ländern der assoziierten Partner:innen genutzt werden können.
Ein Beispiel einer Erasmus+ Kooperationspartnerschaft mit Schweizer Beteiligung ist das Projekt «Recipes for internationalisation». Gemeinsam mit seinen Partner:innen hat die Haute école spécialisée de Suisse occidentale (HES-SO) unter anderem ein Handbuch zur Internationalisierung von Hochschulen entwickelt. Darin sind – angelehnt an ein Kochbuch – 25 detaillierte Rezepte enthalten, wie man durch Internationalisierung die Lehrqualität verbessern sowie Innovation fördern und Studierende zu globalen Bürger:innen ausbilden kann, welche globale Probleme lösen können. Diese Rezepte setzen bei den universellen Herausforderungen der transnationalen Zusammenarbeit in der Hochschulbildung an: rigide Curricula, Sprachbarrieren, begrenzte Ressourcen sowie logistische Hindernisse. Darüber hinaus hat das Projektteam einen Bogen für die Evaluierung der Internationalisierung entwickelt, mit dem:r Studiengangsleitenden den Grad der Internationalisierung ihres Studiengangs bewerten können.
Projektaktivitäten Recipes
- Erstellung einer Bestandsaufnahme, in der die Praktiken der Internationalisierung in den Studiengängen der am Projekt teilnehmenden Hochschulen erfasst werden
- Konzeption und Veröffentlichung des Rezeptbuchs zur Internationalisierung
- Konzeption, Entwicklung und Erprobung des Instruments für die Evaluierung der Internationalisierung von Studiengängen
- Erstellung von Schulungsmaterialien auf der Grundlage der vor Ort ermittelten Bedürfnisse
Organisation von Veranstaltungen zur Verbreitung der Ergebnisse, einschliesslich einer Abschlusskonferenz
Die Recipes-Kooperationspartnerschaft ist aus der UNITA-Hochschulallianz entstanden. Allerdings entstehen nicht alle Projekte aus einer bestehenden Struktur heraus. Die Suche nach Partnerinstitutionen nimmt Zeit in Anspruch, erklärt uns Céline Minder, Projektkoordinatorin an der HES-SO und Leiterin des Recipes-Projekts.
Ich würde empfehlen, zunächst in den Netzwerken nach Partner:innen zu suchen, wo die Einrichtung bereits etabliert ist, und auf die Personen zuzugehen, die innerhalb ihrer Institutionen als Projektinitiator:innen fungieren werden. Projekte entstehen sehr oft im Rahmen informeller Gespräche.
Die Zusammenarbeit mit mehreren europäischen Partner:innen fördert interkulturelle Kompetenzen und stellt für jede Einrichtung eine Bereicherung dar. Laut Céline Minder erfordert diese Zusammenarbeit jedoch auch Anpassungsfähigkeit, Flexibilität und Belastbarkeit, da organisatorische, strukturelle und interkulturelle Herausforderungen auftreten können. Es ist daher unerlässlich, sich gleich zu Beginn des Projekts die Zeit zu nehmen, um die Erwartungen jedes:r Partner:in genau zu definieren und festzulegen, um spätere Frustrationen zu vermeiden. Ebenso wichtig ist es, persönliche Treffen einzuplanen, um die zwischenmenschlichen Beziehungen zu stärken und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
Steckbrief des Projekts
Titel: UNITA Recipes for internationalisation
Periode: 2023–2026
Institutionen (UNITA-Allianz): Universität Savoie-Mont-Blanc – Frankreich (Koordination) // Öffentliche Universität von Navarra – Spanien // Polytechnisches Institut von Guarda – Italien // Transilvania-Universität Brașov – Rumänien // Universität Brescia – Italien // Universität Beira Interior – Portugal // Universität Zaragoza – Spanien // Universität Turin – Italien // Universität Pau und Pays de l’Adour – Frankreich // Westuniversität Timișoara – Rumänien // Nationale Yuriy-Fedkovych-Universität Tscherniwzi – Ukraine // Haute école spécialisée de Suisse occidentale (HES-SO) – Schweiz // ARACIS – Rumänien
Behandelte Erasmus+ Prioritäten:
- Inklusion und Vielfalt
- Digitale Transformation
- hochschulspezifische Priorität: Förderung vernetzter Hochschulsysteme
Kooperationspartnerschaften: offen für alle Bildungsbereiche
Das Format der Erasmus+ Kooperationspartnerschaften steht nicht nur Hochschulen offen. Auch die Bereiche Schul-, Berufs- und Erwachsenenbildung sowie Jugendarbeit können Förderanträge stellen. Die Projekte sollen eine Wirkung im betreffenden Bildungsbereich erzielen, die nicht durch eine einzige Institution und auch nicht durch nationale Zusammenarbeit erzielt werden kann. Projekte des Formats Kooperationspartnerschaften werden in jedem Erasmus+ Land in einem nationalen Wettbewerb ausgewählt. Jedem Erasmus+ Land steht dafür ein eigenes Budget zur Verfügung. Bei einer Assoziierung der Schweiz an Erasmus+ können Schweizer Institutionen als vollwertige Partnerinnen teilnehmen, selber Kooperationspartnerschaften koordinieren oder als nichtkoordinierende Partnerin gleichberechtigt wie die anderen im Projekt arbeiten. Dies eröffnet eine erweiterte und erleichterte Form der Zusammenarbeit mit europäischen Bildungsinstitutionen, Unternehmen und weiteren Organisationen.
Ich empfehle diese Art der Zusammenarbeit ohne zu zögern jeder Einrichtung, die ihre internationalen Beziehungen, insbesondere in Europa, stärken, neue Lehrformate entwickeln und ihre Einrichtung bei der Internationalisierung vorantreiben möchte. Es ist eine sehr bereichernde Erfahrung, sowohl in beruflicher als auch in persönlicher Hinsicht.
Laut Céline Minder wird die derzeitige Rolle der Schweizer Institutionen im europäischen Kontext nicht immer verstanden. «Es ist manchmal frustrierend, die Rolle einer assoziierten Partnerinstitution einzunehmen, da die geleistete Arbeit nicht immer in vollem Umfang gewürdigt wird.» Im Rahmen des Recipes-Projekts sei dies jedoch nicht der Fall, was es für die HES-SO zu einer äusserst positiven und wertvollen Erfahrung gemacht hat. Denn Kooperationspartnerschaften würden dabei helfen, Abstand von den eigenen Praktiken zu gewinnen und anderen Ansätzen gegenüber toleranter zu sein. Auch auf persönlicher Ebene hat Céline Minder viel gelernt, insbesondere im Bereich des Projektmanagements in einem interkulturellen Kontext.
Der Bundesrat verfolgt das Ziel einer Schweizer Assoziierung an Erasmus+ ab 2027.