Erasmus+ für die Berufsbildung
Der Bundesrat strebt eine Schweizer Assoziierung an Erasmus+ ab 2027 an – eine grosse Chance auch für die Berufsbildung. Wir unterstützen Sie bei diesem angestrebten Übergang, damit Sie Ihre Mobilitäts- und Kooperationsprojekte weiterhin durchführen und von den neuen Möglichkeiten frühestmöglich profitieren können.
Kommt es zur geplanten Assoziierung an Erasmus+, so würden internationale Mobilität und Kooperation ab 2027 nicht mehr über das Schweizer Programm, sondern über Erasmus+ gefördert. Das bedeutet Änderungen bei den Regeln und Rahmenbedingungen, jedoch auch Chancen für neue Projekte, Partnerschaften und internationale Netzwerke. Auch wenn Projekte unter Erasmus+ in ähnlicher Form durchgeführt werden können, braucht es bei der Berufsbildung verschiedene vorbereitende Schritte, dies auf struktureller und operativer Ebene.
Eine wichtige Neuerung wäre eine künftige Akkreditierung der Berufsbildungsinstitutionen für die Mobilitätsprojekte. Diese steht in der Übergangsphase jedoch noch nicht zur Verfügung. Bei den Kooperationen könnten neu Erasmus+ Projekte geleitet werden und die doppelte Antragstellung würde entfallen. Die Rolle von Movetia würde bestehen bleiben: Projektträger:innen erhielten weiterhin Beratung, Begleitung, Monitoring und Unterstützung durch die nationale Agentur – nur innerhalb einer breiteren europäischen Programmlogik.
Assoziierung der Schweiz an Erasmus+ für 2027 angestrebt
Für Projektträger:innen heisst das, dass Sie Ihr Projekt für 2027 im Rahmen der Förderangebote unter Erasmus+ planen sollen. Gleichzeitig sollen Sie vorbereitet sein, Ihr Projekt unter dem aktuellen Schweizer Programm einzureichen, falls das Parlament die Assoziierung an Erasmus+ nicht bestätigt. Movetia begleitet Sie in diesem Prozess im Rahmen der Möglichkeiten mit Informationen zu Förderangeboten und dem Prozess.
Warum Erasmus+ für die Berufsbildung wichtig ist
Eine Assoziierung der Schweiz an Erasmus+ eröffnet der Berufsbildung einen umfassenden Zugang zu allen europäischen Mobilitäts‑ und Kooperationsformaten. Schweizer Lernende, Berufsbildner:innen und Institutionen würden damit wieder den vollen Nutzen des grössten Bildungsprogramms Europas erhalten – ohne die strukturellen und finanziellen Einschränkungen der heutigen Schweizer Übergangslösung.
Vollständiger Zugang zu Aktivitäten, Netzwerken und Tools
Mit Erasmus+ würden der Berufsbildung sämtliche Mobilitätsformate, Kooperationsformate, Exzellenzinitiativen sowie europäische Plattformen und Matching‑Tools offenstehen. Heute sind viele dieser Angebote für Schweizer Akteure geschlossen oder nur schwer zugänglich; gleichzeitig sind Partner:innen im Ausland in ihrer Zusammenarbeit mit der Schweiz eingeschränkt. Eine Assoziierung an Erasmus+ hebt diese Barrieren vollständig auf.
Internationale Führungsrolle und stärkere Sichtbarkeit
Derzeit können Schweizer Berufsbildungsakteur:innen zwar an Projekten von ausgewählten Förderformaten teilnehmen, diese aber nicht koordinieren. Mit vollem Programmzugang könnten Institutionen eigene Projekte initiieren und führen und damit das international anerkannte Schweizer Berufsbildungssystem noch sichtbarer einbringen. Dies stärkt die Innovationskraft, ermöglicht Projektleitung und erhöht die Attraktivität der Schweiz als Partnerland.
Ein Programm, ein Rahmen
Mobilitäten und Kooperationen könnten wieder direkt über die etablierten Erasmus+ Strukturen abgewickelt werden – einfach, digital und für alle Beteiligten effizienter. Europäische Partner:innen akzeptieren oft keine parallelen Abkommen; mit einer Assoziierung entfällt diese Komplexität. Gleichzeitig erleichtern die Erasmus+‑Netzwerke die Partner:innensuche erheblich und würden damit die Beteiligung an Austausch und Kooperationsaktivitäten erhöhen.
Weltweite Möglichkeiten für die Berufsbildung
Bereits unter der Schweizer Lösung werden weltweite Mobilitäten und Kooperationen unterstützt. Erasmus+ bietet darüber hinaus zusätzliche Formate und Finanzierungswege für die Zusammenarbeit mit Partner:innen ausserhalb Europas – gerade für die Berufsbildung eine wichtige Perspektive.
Lernmobilitäten für Lernende und Personal, Kooperationen für Institutionen
Erasmus+ wie auch bisher die Schweizer Lösung fördern Mobilitäts- und Kooperationsprojekte. Diese tragen jedoch andere Bezeichnungen und die Inhalte unterscheiden sich teilweise.
Leitaktion 1 (KA1) – Lernmobilität von Einzelpersonen
Diese Leitaktion fokussiert auf die Mobilität von Einzelpersonen. In der Berufsbildung umfasst diese Leitaktion die Mobilität von Lernenden, Lehrabsolvent:innen, Berufs- und Fachmittelschüler:innen und Berufsbildungspersonal. Erasmus+ unterstützt im Rahmen dieser Leitaktion dieselben Typen Mobilität wie die aktuelle Schweizer Lösung, mit zusätzlichen Angeboten für kurze und/oder virtuelle Mobilität und einem umfassenden Unterstützungsangebot für nachhaltiges Reisen und Inklusion. Die Incoming-Mobilitäten (Personen aus dem Ausland in die Schweiz) würden nicht mehr über die Schweizer Projektträger:innen beantragt, sondern würden über die Partnerländer finanziert. Wiederum bräuchten Bildungsinstitutionen mit grossen Mobilitätsprojekten eine Akkreditierung.
Leitaktion 2 (KA2) – Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Institutionen
Diese Leitaktion fokussiert auf die institutionelle Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen und Organisationen. Sie fördert Berufsbildungskooperationen in Form von Partnerschaften und Projekten. In der Schweiz wurden Kooperationen bis jetzt teilweise über das Schweizer Programm zu Erasmus+ und über das Internationale Programm gefördert. Statt der ergänzenden Förderung durch Schweizer Mittel und der Teilnahme als assoziierte Partner:in ohne viel Mitspracherecht bei Erasmus+ Kooperationen könnten Institutionen im Rahmen von Erasmus+ zukünftig an der ganzen Bandbreite an Kooperationspartnerschaften als vollwertige Partner:innen teilnehmen und auch die Projektleitung übernehmen.
Leitaktion 3 (KA3) – Unterstützung der Politikentwicklung und der politischen Zusammenarbeit
Diese Leitaktion begleitet bildungspolitische Entwicklungen auf europäischer Ebene. Sie fördert politischen Dialog, Synergien und Wissenstransfer, um nationale und europäische Bildungspolitik voranzutreiben. Im Rahmen der Leitaktion 3 könnten sich auch Berufsbildungsinstitutionen beteiligen.
Tools und Netzwerke erleichtern Mobilitäts- und Kooperationsprojekte
Die Assoziierung an Erasmus+ würde den Schweizer Institutionen der Berufsbildung zusätzlich zu allen Förderangeboten auch den Zugang zu zusätzlichen Netzwerken und Tools ermöglichen.
Die von Erasmus+ zur Verfügung gestellten Tools dienen der Projektorganisation und -verwaltung. Sie können sich Inspiration für neue Projekte holen, Erfahrungen austauschen oder erhalten Zugang zu Spracherwerbsmöglichkeiten.
Tools
- Erasmus+ Website: Programminformationen der Europäischen Kommission: Prioritäten, Aktionen, Fristen. Kernstück ist der Programmleitfaden – er gilt für alle Aktionen, zentrale und dezentrale
- Erasmus+ Plattform : Ausschreibungen und Antragsformulare für die dezentralen Aktionen: KA1-Mobilität und die meisten KA2-Partnerschaften
- EU Funding & Tenders Portal: Ausschreibungen und Antragsformulare für die zentralisierten Erasmus+ Aktionen, z.B. CoVE, Allianzen für Innovation usw.
- Erasmus+ Projektresultate: Übersicht über geförderte Projekte
- Vorlagen und Templates: Projektverwaltung von Erasmus+
- OLS: Spracherwerb bei Mobilitätsprojekten
- eTwinning: Austauschplattform für Schulen inkl. Berufsfachschulen
- SALTO: Europäischer Trainingskalender mit Weiterbildungen und Kontaktseminaren, an denen sich Projektpartner:innen treffen
Auch unabhängig von Erasmus+ gibt es viele Tools, welche die Projektplanung und -durchführung erleichtern können:
- Impacttool der NL-Nationalagentur
- Projekte mit Wirkung der Stiftung Mercator
- Europäischer Qualifikationsrahmen EQR: Vergleich von Qualifikationen
- Erasmobility: Plattform für die Partner:innensuche für die Berufsbildung
- SALTO digital: Unterlagen zum Thema «Digitalisierung und digitaler Wandel»
Die Netzwerke von Erasmus+ dienen dazu neue Partnerschaften für Projekte zu schliessen oder als teilnehmende Organisation Anschluss an bestehende Konsortien zu finden. Sie dienen dem Wissens- und Erfahrungsaustausch (online oder an Veranstaltungen), jedoch auch als Informationsquelle für Ihre Projektplanung. Diverse Netzwerke sind bereits jetzt offen, gewinnen jedoch unter Erasmus+ an Relevanz.
Netzwerke
- EfVET – European Forum of Technical & Vocational Education and Training
- EPALE – Elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
- Cedefop - Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung
- EARLALL – European Association of Regional & Local Authorities for Lifelong Learning
- EVBB – European Association of Institutions for Vocational Training
- EVTA - The European Vocational Training Association
- Europass – Digitaler Lebenslauf und Mobilitätszertifikate
- Swisscore – Schweizer Verbindungsbüro in Brüssel
- Branchen- / Berufsspezifische internationale Netzwerke
- Internetseiten oder Newsletter anderer National Agencies (z.B. NA BIBB, Agence Erasmus+ France oder OeaD)
Die Listen sind noch nicht vollständig und werden laufend ergänzt.
Nächste Schritte für Sie in der Projektplanung
Es lohnt sich, bereits jetzt mit der Planung Ihres Projekts zu beginnen. Entdecken Sie auf den Unterseiten zu Mobilitäten und Kooperationen die verschiedenen Förderlinien und wie Sie sich bereits heute vorbereiten können.